Paradigmenwechsel in der Therapie des metastasierten Prostatacarcinoms

Beitrag für die ÖGU-Homepage von Priv. Doz. Dr. Anton Ponholzer,
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien
AK für Urologische Onkologie der ÖGU

Bis heute besteht die Standardtherapie beim metastasierten Prostatakarzinom primär in der Einleitung einer Hormonentzugstherapie. Auf den beiden letzten Kongressen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden erstmals Ergebnisse präsentiert, die dieses Therapieregime in einem neuen Licht erscheinen lassen und in ausgewählten Fällen eine frühzeitige zusätzliche Chemotherapie als sinnvoll erscheinen lassen.

2014 wurden erstmals die Ergebnisse der CHAARTED-Studie präsentiert, die aktuell auch im New England Journal of Medicine erschienen ist. In dieser Untersuchung wurde die Androgendeprivation randomisiert getestet gegenüber einer Kombination aus Hormontherapie plus maximal 6 Zyklen Chemotherapie mit Docetaxel. Stratifiziert wurden Patienten mit hoher versus Patienten mit niedriger Tumorlast, nur ca. ¼ der Patienten hatten in der Vorgeschichte eine Lokaltherapie der Prostata erhalten. Das Ergebnis zeigt einen statistisch signifikanten Vorteil bezüglich des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens zu Gunsten einer frühzeitigen kombinierten Chemohormontherapie versus primärer Hormontherapie ohne Chemotherapie. Der Überlebensvorteil beträgt 17 Monate für Patienten mit einer hohen Tumorlast (Viszeralmetastasierung und/oder zumindest 4 ossäre Metastasen inklusive einer Metastase außerhalb des knöchernen Beckens/ Wirbelsäule). In der Gruppe der Patienten mit geringer Tumorlast wurde das mediane Überleben in beiden Therapiearmen noch nicht erreicht. Zur viel diskutierten CHAARTED Studie wurden am heurigen ASCO 2015 die ersten Daten der Stampede-Studie vorgestellt. Stampede ist eine Multiarmstudie aus Großbritannien, in der unterschiedliche Therapievorgehensweisen gegenüber der Androgendeprivation als Standardtherapie verglichen werden. Als wesentliches Ergebnis wurden zur Standardtherapie bestehend aus LHRH-Therapie oder Orchiektomie plus/minus Antiandrogen Männer mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom, einem hohen Gleason Score oder Patienten mit Progression nach primärer Lokaltherapie oder primär metastasierte Prostatakarzinompatienten auch hier mit Docetaxel zusätzlich primär therapiert. In der ersten Auswertung lag das mediane Überleben nach zusätzlich 6 Zyklen Docetaxel und einem Follow-up von 42 Monaten bei 77 versus 67 Monaten, dies entspricht einem Überlebensvorteil von 10 Monaten oder einer HR von 0,67 (0,63-0,91, P ist 0,003). In Subgruppen-Analyse zeigte sich, dass Patienten ohne Fernmetastasen eher nicht durch die frühe Chemotherapie profitieren. In der Gruppe der metastasierten Patienten liegt der Überlebensvorteil bereits bei 22 Monaten (65 versus 43 Monate, HR 0,73 (0,59-0,89), P=0,002). Die beiden am ASCO präsentierten Studien zeigen insgesamt einen Vorteil einer frühzeitigen Kombination aus Hormontherapie plus Docetaxel-Chemotherapie. Auch wenn die beiden Studien in Kontrast stehen zur ebenfalls bekannten GETUG AFU-15 Studie, wo ein frühzeitiger Einsatz einer Chemotherapie keinen Überlebensvorteil zeigte, so ist es doch heutzutage in den Augen der meisten Experten für Patienten mit hoher Tumorlast anzunehmen, dass das frühzeitige Angebot einer Chemotherapie einen klinisch relevanten Überlebensvorteil zeigt. Auf der Grundlage der vorliegenden Studienergebnisse sollten Patienten mit hoher Tumorlast auch frühzeitig über die Möglichkeiten der kombinierten Hormonchemotherapie informiert werden. Gemäß der Patientencharakteristika der beiden Studien sollten primär Patienten mit einem guten Allgemeinzustand diese Therapie erhalten.

 

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