Darüber hinaus war auch auf diesem Kongress bemerkenswert, dass den Brain-Imaging- Methoden, wie sie zum Beispiel durch die Positronenemissionstomographie (PET) und die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI) gegeben sind, eine immer größere Rolle zuteil wird. In den Symposien wurden die verschiedenen neuropsychopharmakologischen Messmethoden diskutiert und dabei darauf Wert gelegt, dass die verschiedenen Gehirnregionen eine unterschiedliche Verteilung der Rezeptoren aufweisen und aufgrund genetischer Gegebenheiten auch unterschiedlich reagibel sind und dadurch die Verarbeitungsmuster beeinflussen. Es konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass Medikamente mit dem Wirkmechanismus einer Serotonin-Wiederaufnahmehemmung eine serotonerge Dysbalance zwischen den Raphe-Kernen und den limbischen Repräsentanten wie Amgydala beziehungsweise Hippocampus modulierend beeinflussen und dadurch die Emotionsverarbeitung verbessern. Weiters konnte gezeigt werden, dass die verschiedenen Rezeptoren eine unterschiedliche jahreszeitliche Varianz aufweisen, wobei in den dunklen Herbst/Wintermonaten zum Beispiel der Serotonintransporter erhöht und der 5-HT1A-Rezeptor erniedrigt zur Darstellung kommt. Auch hier wurde wieder ein genetischer Zusammenhang zu den Polymorphismen hergestellt. Die gute Wirkung der Hemmer der Monoaminoxidase (Tranylcypromin) wurde durch eine erhöhte Aktivität bei depressiven Patienten in verschiedenen Gehirnarealen eindrucksvoll gezeigt und dadurch die gute Wirksamkeit dieser Gruppe von Medikamenten, die leider wegen der gleichzeitig bestehenden Nebenwirkungen in Österreich vom Markt genommen wurden, theoretisch untermauert.
Insgesamt hat sich auf diesem internationalen Kongress erneut gezeigt, dass den bildgebenden und molekularbiologischen Verfahren heute in der neuropsychopharmakologischen Forschung ein breiter Raum gegeben wird und dadurch das Grundverständnis für die Diagnostik und Behandlung der Patienten erweitert wird.
O. Univ.-Prof. Dr. DDr. h.c. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)



