Während beim Faktor „Waschen“ besonders Hirnstrukturen der emotionalen Steuerung involviert zu sein scheinen (vor allem orbitofrontaler Cortex – OFC, anteriorer cingulärer Cortex – ACC, Amygdala, Insula), überwiegen beim Faktor „verbotene Gedanken“ Hirnregionen der kognitiven Steuerung (vor allem die Basalganglien, ACC) und beim Hort- und Sammelzwang Hirnstrukturen der Entscheidungsfindung (vor allem ventromediale Anteile des OFC, dorsolateraler präfrontaler Cortex, DLPFC).
Weitere Anwendungsgebiete
Doch nicht nur zur Modellbildung und Differenzierung der Subtypen der Zwangsstörungen können Neuroimaging- Methoden beitragen, sondern möglicherweise auch zur Schärfung der Prognose beziehungsweise der Vorhersage von therapeutischem Ansprechen unterschiedlicher Therapiebausteine. So könnte möglicherweise eine höhere thalamisch-hypothalamische Serotonin-Transporter-( SERT)-Verfügbarkeit ein besseres therapeutisches Ansprechen auf eine selektive SSRI-Therapie vorhersagen oder ein verstärkter Metabolismus in der linken orbitofrontalen Region (OFC) als ein Prädiktor für ein besseres Ansprechen in der Verhaltenstherapie dienen.
Die Neuroimaging-Ergebnisse unterstreichen einerseits die neurobiologische Heterogenität des Krankheitsbilds der Zwangsstörung und können möglicherweise in Zukunft einen Beitrag zur besseren Therapieplanung leisten.
Eine Optimierung der Diagnose und Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten ist für die Zwangsstörung unbedingt notwendig, da auch bei einer State-of-the-Art-Therapie etwa einem Drittel der Patienten noch nicht substanziell geholfen werden kann. Hier könnten neue Forschungsansätze ergänzende Therapieoptionen aufzeigen, um den Verlauf der Zwangsstörung besser beeinflussen und um bessere Responderraten erreichen zu können.
Univ.-Prof. Dr.
Martin Aigner
Universitätsklinik für
Psychiatrie und Psychotherapie,
Wien



