01. September 2010
Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie Medizin Medien Austria
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Highlights von der Linzer Urologie- und Andrologie-Tagung
Neues zu Prostata, Blase & Co

Zum Alltag des Urologen gehöre die Andrologie, da Störungen der Sexualfunktion leider zu den häufi gsten Problemen in westlichen Industrienationen zählen, leitet Priv.-Doz. Dr. Anton Ponholzer die Reihe der Highlights ein. Daher freut es den Urologen von den Barmherzigen Brüdern Wien, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Innovationen zur Th erapie häufi ger Beschwerdebilder zugelassen wurden. Am bemerkenswertesten ist für ihn zweifellos die Einführung von Dapoxetin zur First-Line-Th erapie der Ejaculatio praecox, die jeden dritten bis fünft en Mann aller Altersgruppen betrifft . Zweitens appelliert Doz. Ponholzer an die knapp 300 anwesenden Urologen, sich die neuen EAU-Leitlinien zur Diagnostik und Th erapie des Late-Onset- Hypogonadismus (LOH) durchzulesen. „Zum Androgenstatus und männlichen Alterungsprozess sind heuer erstmals gute und breit publizierte Leitlinien auf den Markt gekommen“, so der Androloge, „die für uns relativ klare Handlungsrichtlinien bringen.“ Als dritten Glanzpunkt in der männlichen Sexualmedizin führt Doz. Ponholzer noch die „breite Diskussion und Akzeptanz“ der PDE-5-On-demand-Th erapie bei erektiler Dysfunktion (Tadalafi l 5 mg täglich) an, die eine gut verträgliche Alternative zur bestehenden ED-Bedarfstherapie darstellt.

Die heiße Frage des PSA-Screenings

Das Update zum Prostatakarzinom beginnt OA Dr. Günter Gallé, Grazer Univ.-Klinik für Urologie, mit einer der Hauptfragen, die heuer auf den großen internationalen Kongressen gestellt wurde: Senkt Screening die Mortalität des Prostatakarzinoms? Dazu zitiert Dr. Gallé zwei große randomisierte Studien, die ERSPC1 und die PLCO2. Ergebnisse von ERSPC (startete Anfang der 90er in sieben europäischen Ländern, 162.000 Männer im Alter von 55 bis 69): Inzidenz eines Prostatakarzinoms (PC) im Screeningarm 8,2 %, im Kontrollarm 4,8 %, Todesfälle durch metastasiertes PC im Screeningarm 214 vs. 326 im Kontrollarm. Die NNS (Number needed to screen), um einen Todesfall zu vermeiden, beträgt 1410. „Das ist eine vergleichbare Zahl, wie wir sie von Mammographie-Screenings kennen, aber auch von gastrointestinalen Screenings“, betont der Oberarzt. Die NNT (Number needed to treat), um einen Todesfall zu vermeiden, beträgt 48. Die Studienautoren schließen daraus, dass durch PSA-Screening die PC-bedingte Mortalität um 20 % gesenkt werden könne, berichtet Dr. Gallé. Zu anderen Ergebnissen kommt die 1993 gestartete nordamerikanische PLCO (n = 76.000): 2820 PCs im Screening arm vs. 2322, Anzahl der Todesfälle im Screeningarm 50 vs. 44 im Kontrollarm (kein signifi - kanter Unterschied). Laut Autoren hat die Studie ein noch zu geringes Follow-up, um signifi kante Unterschiede zwischen Screening- und Kontrollarm herauszufi nden. Skalpell sticht Strahlen Weiters stellte Dr. Gallé noch einige neue Erkenntnisse zu Diagnostik und Th erapie des Prostata- Ca. vor, darunter eine retrospektive Studie aus Cleveland3. Diese verglich über zwölf Jahre mehr als 2000 radikalprostatektomierte (RPE) mit rund 400 strahlentherapierten Patienten mit lokoregionärem PC. Die strahlentherapierte Gruppe hatte im Vergleich zu den operierten Patienten ein um 69 % höheres Risiko zu versterben. Eine andere, holländische Arbeit4 hat sich mit der Tumorlokalisation durch eine MR-unterstützte Re-Biopsie bei zumindest zwei negativen vorangegangenen Biopsien auseinandergesetzt. Dabei stellte sich heraus, dass mehr als die Hälft e der (vorher nicht entdeckten) Tumoren in der ventralen, zentralen Region der Prostata zu fi nden waren. „Ich habe mir das zu Herzen genommen und habe bisher fünf Patienten so behandelt. Bei dreien konnte dann ein Karzinom nach langem Suchen genau in dieser Region detektiert werden“, erzählt dazu der Urologe.

NGF als Biomarker für Blase und Hirn?

Von einigen interessanten Beiträgen, die auf der Tagung der American Urological Association 2009 präsentiert wurden, berichtet Univ.- Doz. Dr. Günter Primus, Klinik für Urologie, Med Uni Graz. So untersuchte eine Arbeit (Jacobs et al.) die Harnspiegel von NGF (nerve growth factor) bei 72 Patienten mit/ ohne LUTS. Ziel war es, den Stellenwert des Nervenwachstumsfaktors als Biomarker für bestimmte urologische Krankheiten zu evaluieren. Tatsächlich waren die NGF-Harnspiegel bei Patienten mit neurogener überaktiver Harnblase und beim Blasenschmerzsyndrom signifi kant gegenüber Patienten mit nichtneurogener überaktiver Blase, Blasenkarzinom und Prostata-Ca. erhöht. „Möglicherweise kann man unter Zuhilfenahme des Nervenwachstumsfaktors spezifi sche urologische Diagnosen herausfi ltern, aber dafür brauchen wir noch mehrere Studien“, resümiert Doz. Primus. Eine Arbeit aus Taiwan (Chen et al.) wiederum wollte die Frage beantworten, ob der NGF mit der Schwere der zerebralen Schädigung bei Patienten nach Schlaganfall korreliert. Die Forschergruppe bestimmte bei 93 Schlaganfall-Patienten und bei 40 Gesunden die Harnspiegel von NGF. Das Ergebnis: Die NGF-Spiegel waren bei Patienten mit Schlaganfall signifi kant höher als in der Kontrollgruppe (0,83 vs. 0,04) und korrelierten außerdem deutlich mit der Schwere der neurologischen Beeinträchtigung.

Gro

 

1Schröder et al., NEJM 2009; 360: 1320 – 1328 2Andriole et al., NEJM 2009; 360: 1310 – 1319 3Kibel et al., J Urol 2009; (Suppl 4): 572 4Hambrock et al., Eur Urol Suppl 2009; 8: 828 Fortbildungstagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie; Linz, November 2009

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