Dr. Thomas Alber
Vorstand der Abteilung für Urologie,
LKH Hochsteiermark
Priv.-Doz.in Dr.in Eva Amerstorfer
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie,
LKH Univ.-Klinikum Graz
Priv.-Doz. DDr. Christoph Arneitz
Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie,
Klinikum Klagenfurt
Dr. Alireza Basharkhah
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie,
LKH Univ.-Klinikum Graz
Dr.in Tanja Becker, FEAPU
Abteilung für Kinderurologie, Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Dr. Christoph Berger, FEAPU
Abteilung für Kinderurologie,
Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Dr.in Anna Bernsteiner
Abteilung für Urologie,
LKH Hochsteiermark
Dr. Marko Bogović
Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie,
Klinikum Klagenfurt
Dr.in Christa Gernhold
Abteilung für Kinderurologie,
Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Dr.in Elena Gottardi-Butturini
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde,
Uniklinikum Salzburg – Landeskrankenhaus
Priv.-Doz. Dr. Dr. Bernhard Haid, FEAPU, FEBU
Vorstand der Abteilung für Kinderurologie,
Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
DGKP Theresa Haider-Stichlberger
Abteilung für Kinderurologie, Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Dr.in Manuela Hiess, FEAPU, FEBU
Abteilung für Kinderurologie, Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Dr. Mark Koen, FEAPU
Abteilung für Kinderurologie, Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
DGKP Simone Kogler
Abteilung für Kinderurologie, Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Priv.-Doz. DDr. Wilfried Krois
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie,
AKH Wien
Dr.in Johanna Ludwiczek
Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie,
Kepler Universitätsklinikum Linz
Univ.-Prof. Dr. Lukas Lusuardi
Vorstand der Universitätsklinik für Urologie und Andrologie,
Uniklinikum Salzburg – Landeskrankenhaus
Univ.Prof. Dr. Martin Metzelder, FEAPU
Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie,
AKH Wien
Dr. Raphael Müller
Kinderurologie,
Universitätsklinik für Urologie Innsbruck
Dr. Safiullah Najem
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie,
AKH Wien
Dr. Ralph Nägele
Abteilung für Urologie,
Landeskrankenhaus Feldkirch
DGKP Martina Rathmayr
Abteilung für Kinderurologie,
Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Dr. Patrick Rein, FEBU
Urologie, Praxis Am Kehlerpark
Priv.-Doz. Dr. Stefan Riedl
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde,
AKH Wien;
St. Anna Kinderspital Wien;
Geschäftsführer des Beratungszentrums UNTERWEGS
Mag.a Veronika Riedl, MSc
Leitung des Beratungszentrums UNTERWEGS
DGKP Bettina Rudelstorfer
Abteilung für Kinderurologie,
Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Johannes Schalamon
Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie,
Klinikum Klagenfurt
DGKP Anita Silye
Abteilung für Kinderurologie,
Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Alexander Springer, FEAPU
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie,
AKH Wien
FA Dr. Lukas Steinkellner, FEBU
Abteilung für Kinderurologie,
Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Univ.-Prof. Dr. Holger Till
Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie,
LKH Univ.-Klinikum Graz
Univ.Lekt. Dr.in Ursula Tonnhofer
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie,
AKH Wien
Univ.-Prof. Dr. Siegfried Waldegger
Nephrologie, Department für Kinder- und Jugendheilkunde,
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.Ass. Dr.in Vanessa Wolfschluckner
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie,
LKH Univ.-Klinikum Graz
DGKP Marion Zauner
Abteilung für Kinderurologie, Ordensklinikum Linz
Barmherzige Schwestern
Die vorliegende Neuauflage der Leitlinien des Arbeitskreises Kinderurologie der Österreichischen Gesellschaft für Urologie (ÖGU) stellt eine wichtige Entwicklung in der interdisziplinären Versorgung von Kindern mit urologischen Fragestellungen dar. In enger Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) sowie der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie (ÖGKJCH) wurden die bestehenden Empfehlungen auf Basis des aktuellen Wissensstandes überarbeitet, ergänzt und durch neue, praxisrelevante Kapitel erweitert.
Diese Leitlinien sind keine Alternative zu wissenschaftlich fundierten aber teils inhaltlich widersprüchlichen Leitlinien (AWMF, EAU/ESPU, ÖGKJ) sondern lediglich eine gemeinsame Expertenempfehlung, zugeschnitten auf die klinische Situation in Österreich.
Diese intensive fachübergreifende Zusammenarbeit markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer strukturierten, gemeinsamen Versorgung unserer PatientInnen. Sie betont die Bedeutung einer engen Abstimmung zwischen Pädiatrie, Kinderchirurgie, Kindernephrologie, pädiatrischer Endokrinologie sowie den Bereichen Pflege und Urotherapie. Besonders hervorzuheben ist, dass jedem Kapitel VertreterInnen aus den jeweils relevanten Fachrichtungen zugeteilt wurden, die gemeinsam als AutorInnenteam die Inhalte verantwortungsvoll überarbeitet und erweitert haben. Somit handelt es sich um interdisziplinäre und interprofessionelle Leitlinien.
Neu hinzugekommen sind die Kapitel zu urologischen Aspekten bei Kindern mit anorektalen Malformationen (ARM), zu DSD sowie zu nephrologischen Aspekten der Kinderurologie, letztes in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Kindernephrologie der ÖGKJ.
Den bisherigen Charakter der Leitlinien als praktische, im klinischen Alltag verwendbare „Kitteltaschenhilfe“ haben wir dabei bewusst beibehalten. Die Aktualisierung erfolgte nicht nur aus fachlicher Notwendigkeit, sondern auch mit dem Ziel, die interdisziplinäre Kommunikation zu fördern und eine gemeinsame Haltung nach innen wie außen sichtbar zu machen.
Die Erstellung dieser Expertenleitlinien erfolgte im Rahmen eines strukturierten Prozesses: Die einzelnen Kapitel wurden zunächst von einem interdisziplinär und interprofessionell zusammengesetzten AutorInnenteam inhaltlich überarbeitet. Bei einem Treffen im Juni 2025 wurden besonders wesentliche und potentiell kontroversielle Kapitel gemeinsam diskutiert, fachlich abgestimmt und inhaltlich konsolidiert. Kapitel, die im Rahmen des Treffens nicht behandelt werden konnten, wurden im Anschluss gemeinsam von allen AutorInnen im Sinne eines strukturierten Delphi Prozesses bearbeitet. Über inhaltlich zentrale Statements erfolgte eine online Abstimmung, keines der Statements erreichte weniger als 90% Konsensus. Auf diese Weise wurden alle Kapitel vom gesamten Autorenteam geprüft, diskutiert und abschließend konsentiert.
Wir danken allen Mitwirkenden herzlich für ihr Engagement und ihre Expertise. Diese Leitlinien sind Ausdruck einer gelebten, fachübergreifenden Zusammenarbeit im Sinne einer bestmöglichen Versorgung unserer jungen PatientInnen.
Bernhard Haid & Manuela Hiess
Mit den Eltern, Miteinbeziehung des Kindes soweit möglich. Sensibilität gegenüber belastenden oder schamhaften Inhalten. Miteinbezug von Familien- und Schwangerschaftsanamnese, aktueller Problematik, bisheriger Therapien, Voroperationen und verabreichter Medikamente in die Indikation zu jeder weiteren Diagnostik.
Anwesenheit der Eltern
Bei Adoleszenten ev. stattdessen Anwesenheit einer dritten Person (z.B. Ordinationsgehilfe, Pflegeperson, juridische Aspekte).
Möglichst geringe Invasivität bei maximaler Aussagekraft!
Harnstreifentest Wenn Leukozyten(esterase) oder Nitrit pos., dann Sensitivität für HWI >90%. D.h. bei unauff. Streifentest kann in bis zu 10% doch ein HWI vorliegen! Bei klinischem Verdacht also Kultur anlegen. Eiweiß und Erythrozyten können bei HWI auch erhöht sein, sind aber diagnostisch nicht relevant, d.h. ohne Leuko/Nitrit sprechen sie NICHT für einen HWI, sondern für eine nephrologische Problematik
Harnsediment (Mikroskopie) Sensitivität für HWI allein nicht höher, gemeinsam mit Streifentest aber 99%.
Harnkultur ist bei Leukozyturie, Nitrit pos. Befund sinnvoll, wie auch bei HWI-Beschwerden und unauffälligem Streifentest (s.o.); einerseits um den HWI zu beweisen, andererseits um ein Antibiogramm zu erhalten. Hier haben sowohl Festmedien (schnelle Aussage, Selektivnährböden) als auch Flüssigkulturen (Spezifität, exakter Erreernachweis) einen Stellenwert.
Wesentliche Bildgebung
Immer Längs- und Querschnitt durchführen
Unterbauchsonographie: Harnblase (Trabekulierung, Restharn, Schwebeteilchen), Ostienregion (z.B. Ureterocele), para- und retrovesikale Strukturen (z.B. dilatierte/ektope Harnleiter, Divertikel, Fehlbildung von Uterus oder Samenblasen, dilatiertes bzw. stuhlgefülltes Rektum). Ev. Anlotung von perineal für Blasenhals und Harnröhre.
Nieren von dorsal und/oder lateral bzw. auch ventral (Becken-/Hufeisenniere, andere Fusionsanomalien)
Längsdurchmesser, Echogenität, Rinden-Mark Differenzierung, zentrales Reflexband, Zysten/Raumforderungen, Steine, Nephrokalzinose, Dilatationsgrad gemäß SFU-Grad (Society of Fetal Urology), ap-Durchmesser des Nierenbeckens im Hilusbereich. Doppelbildungen (ohne assoziierte Pathologie nicht bedeutsam).
Ev. Farb-Dopplersonographie (akzessorische Gefäße) oder Power-Doppler (globale oder lokale Minderperfusion als Hinweise für Pyelonephritis oder Narben).
Hoden Vorhandensein, Lage, Längsdurchmesser, Volumen ab Tanner 5; Hydatiden-/Samenstrangtorsion, Hydrocele, Raumforderungen, Nebenhoden, Doppler Sonographie mit Durchblutungsdarstellung, Valsalava zur Darstellung des Plexus Pampiniformis
Kritische Indikationsstellung
Röntgen-MCUG: digitale gepulste Durchleuchtungssysteme, Einblendung des Strahlenfeldes und minimale Expositionszeit führt zu einer minimierten Strahlenexposition.
Kontrastmittelgestütze Miktionsurosonographie ist hinsichtlich VUR als gleichwertige Alternative anzusehen.
„Positioning Instillation of Contrast“- (PIC) Zystogramm: Offensive Refluxdiagnostik mittels Zystoskopie in Narkose als Reserveoption bei Kindern mit rezidivierenden fieberhaften HWIs, neg. konventionellem MCUG und/oder positivem DMSA-Scan zur Detektion eines „okkulten“ VUR.
Kindgerechte Untersuchungsbedingungen (Anwesenheit der Eltern, Vakuum-Matratze zur atraumatischen Immobilisierung). Damit ist eine Sedierung nur selten notwendig.
Diureserenographie (DRG) mit Technetium-99m-MAG3 (dynamische Nierenfunktionsprüfung); zur Beurteilung einer relevanten Abflussstörung.
Protokoll nach Situation und Abteilung, wesentlich ist die Berücksichtigung physiologischer Hydrierung:
Sequenzbilder, Spätbilder nach 45 und 120 min und digitalisierte Extraktionskurven dienen zur Beurteilung der Harndrainage aus Nierenbeckenkelchsystem und Ureteren. Zusätzlich können die (relative) Seitenfunktion sowie die Gesamt-MAG3-Clearance bestimmt werden.
Verwertbar ab der (korrigierten) 4.-6. Lebenswoche und suffizienter Nierenfunktion
Das Technetium-99m-DMSA-Szintigramm (statische Nierenfunktionsprüfung) zur Beurteilung von Nierenparenchymschäden, die kongenital oder erworben sein können (durch Pyelonephritiden). Parenchymschäden dienen als Argument für eine (VUR-) Therapie/-intensivierung.
Aktuell keine Indikation bei Kindern
Sinnvoll bzw. notwendig zur Beurteilung
Vorteil: keine Strahlenbelastung
Nachteil: in vielen Fällen Narkose / Sedierung notwendig
MRT ist NICHT zur Steinabklärung geeignet (Steine nur als KM-Aussparung sichtbar).
Standarduntersuchung beim schweren (Poly-, Nieren-/Harntrakt-, Becken-) Trauma als 3-Phasen CT (arterielle, nephrogene, Ausscheidungsphase).
Bei Urolithiasis in seltenen Einzelfällen (komplexe Erkrankung, Uretersteine, unklare Befunde) Low-dose nativ CT.
Angio CT als Alternative zur MR Angio zur OP Planung bei Tumoren.
Objektivierung der Harnstrahlabschwächung bei Harnröhren- und Meatusengen. Einsatz nach Indikation im Einzelfall.
Uroflowmetrie kombiniert mit einer Beckenbodendiagnostik (EMG), ermöglicht das Feststellen von funktionellen Koordinationsstörungen während der Miktion („dysfunctional voiding“) bei toilettentrainierten Kindern.
Ein Windeltest ist eine nicht-invasive diagnostische Variante zur Beurteilung der Blasenentleerung bei kleinen Kindern. Dabei werden mit Hilfe eines Bettnässer-Alarmsystems über 4 Stunden die Miktionen bemerkbar gemacht und Spontanharnmengen (Abwiegen der Windel), sowie der Restharn (Sono) beurteilt.
Diagnose und Verlaufsbeurteilung neurogener oder komplexer nicht-neurogener (z. B. Harnröhrenklappen) Blasenfunktionsstörungen und Ursache einer Harninkontinenz (Sphinkterinsuffizienz vs. Detrusorüberaktivität).
Dabei werden Füllungs- sowie Miktionsdrücke, Blasenvolumen, intermittierende Detrusorkontraktionen, leak-point-pressure, Compliance der Blase, Sensibilität, Kontraktilität sowie Koordination mit dem Beckenboden erfasst.
Blaufärbung der instillierten KM-Lösung ermöglicht Erkennen tröpfchenweiser Harnabgänge. Durch die intermittierende Röntgen-Durchleuchtung ist eine morphologische Beurteilung von Blase, Urethra und ev. VUR möglich (Dosisbeschränkung siehe oben beim MCU).
Diagnostische Verfahren sollten nur eingesetzt werden, wenn sie eine therapeutische Konsequenz erwarten lassen.
Bei Untersuchungen mit ionisierender Strahlung ist das ALARA-Prinzip („As Low As Reasonably Achievable“) zu beachten. (100%)
Eine Phimose ist als Verengung der Vorhaut definiert. Diese kann primär als physiologische „Säuglingsphimose“ bzw. als asymptomatische Phimose des frühen Kleinkindalters auftreten oder sekundär entstehen. Davon zu unterscheiden sind die Schnürringbildung mit relativer Phimose oder Konglutinationen.
Bei Jugendlichen liegt die Inzidenz einer primären Phimose bei 1,5-2%.
Ursachen für eine sekundäre, narbige Phimose stellen rezidivierende Balanitiden mit und ohne lichenoide Gewebsreaktionen bzw. Lichen sclerosus dar.
Im Hinblick auf die niedrige Inzidenz bei Jugendlichen ist bei persistierender primärer Phimose eine Therapie vor Pubertätsbeginn bei beschwerdefreiem Kind medizinisch nicht dringend nicht indiziert. Eine sekundäre Phimose (postentzündlich: rezidivierende Balanitis, insbesondere bei Verdacht auf Lichen sclerosus) kann als medizinische Indikation auch vor diesem Zeitpunkt, insbesondere bei symptomatischen Patienten, chirurgisch versorgt werden. Eine Indikation zur Zirkumzision stellen weiters kongenitale Malformationen des Urogenitaltraktes mit assoziiertem HWI Risiko (VUR, Urethralklappe, etc.) dar, da die Inzidenz fieberhafter Harnwegsinfekte signifikant gesenkt werden.
Lokale Kortikoidtherapie mit einem mittelpotenten Steroid, z.B. Methylprednisolonaceponat, 4-6 Wochen 1-2x täglich lokal. Rezidive sind häufig (obsolet: östrogenhaltige Salben).
Zirkumzision, indiziert bei rezidivierenden Entzündungen, narbiger Phimose und Lichen sclerosus oder bis zur Pubertät persistierender Phimose. Hohe Heilungsrate des Lichen sclerosus nach Zirkumzision.
Vorhauterhaltende Techniken haben bei adipösen Kindern zur Vermeidung eines im präpubischen Fettgewebe versunkenen Penis einen Stellenwert.
Kontraindikationen zur alleinigen Zirkumzision: angeborene genitale Fehlbildungen (z.B. Hypospadie, Epispadie, buried penis…)
Asymptomatische Konglutinationen und Smegma Retentionszysten bedürfen keiner Therapie.
Nicht klebender Verband, Salbe.
Bei Lichen sclerosus kann eine adjuvante lokale Therapie mit einer mittel- oder
hochpotenten Steroidsalbe (Betametason, Mometason) für 1 Monat 1x tgl. topisch erfolgen.
Als Paraphimose bezeichnet man das Anschwellen der verengten, retrahierten Vorhaut. Durch das Anschwellen des distal gelegenen Vorhautanteiles kann die Vorhaut nicht mehr problemlos reponiert werden.
Manuelle Kompression zur Reduktion des Ödems, langsame Reposition unter adäquater Analgesie. Selten muss eine Dorsalinzision / Zirkumzision in Narkose erfolgen.
Die Zirkumzision ist indiziert bei rezidivierenden Entzündungen, narbiger Phimose und Lichen sclerosus oder zur Pubertät persistierender Phimose.
Lokale Kortikoidtherapie kann als Therapieoption erwogen werden.
Kongenitale ventrale Spaltbildung des Penis mit Beteiligung von Präputium, Urethra und evtl. Corpus spongiosum; Frequenz 1:200-300 Knaben.
Klinische Einteilung meist entsprechend der Meatuslage: distale HPS (ca. 70%) (glandulär, coronar, subcoronar, distal penil), proximale HPS (proximal penil, skrotal, perineal). Sonderformen: Hypospadia sine hypospadia, glandulärer Megameatus.
Therapierelevant sind neben der Meatuslage weitere Faktoren wie v. a. Glansdurchmesser, Qualität der Urethralplatte, Penisdeviation sowie Hautverhältnisse u.a. penoskrotale Transposition.
Bei proximalen Hypospadien, vor allem assoziiert mit Hodenhochstand, sollte postnatal eine genetische Abklärung und pädiatrisch-endokrinologische Untersuchung sowie die Vorstellung in einem DSD-Board erfolgen zum Ausschluss einer Variante der Geschlechtsentwicklung (DSD/differences of sex development). Bei Syndromverdacht weitere spezifische Diagnostik.
Möglichst physiologische funktionelle und kosmetische Verhältnisse: Urethralrekonstruktion mit Bildung eines schlitzförmigen, ausreichend weiten Meatus distal, gerader Penis, ggf. Transpositionsausgleich und Skrotalfusion. Rekonstruktion oder Entfernung der Vorhautschürze.
Meist zwischen 6.-18. Lebensmonat, nach der Pubertät muss mit deutlich höherer Komplikationsrate gerechnet werden.
Vorbehandlung bei Glansdurchmesser < 12-14 mm oder Mikropenis, penoskrotaler/skrotaler Hypospadie mit Dihydrotestosteronsalbe (Andractim®) 2 mal täglich für 4-6 Wochen lokal oder 1-3 x 0,25 mg Testosteron i.m. alle 4 Wochen bis max. 4 Wochen vor geplanter OP.
OP-Techniken: vielfältig, einzeitig z. B. TIP (Tubularized Incised Plate)-Technik, Thiersch-Duplay-Technik, Mathieu-Technik, mod. Glanduloplastik/MAGPI, Duckett-Onlay-Technik oder zweizeitig z. B. bei Rezidivoperationen bzw. starker Krümmung und kurzer Urethralplatte (Präputiallappen oder Mundschleimhaut). (Klinisch relevante Deviation >30°; bei geringer Krümmung ggf. dorsale Plikationstechniken ausreichend.)
Operation in Allgemeinnarkose + Lokalanästhesie/Kaudalblock, stationär oder ambulant.
Kein Konsens bezüglich Antibiose intra- und postoperativ sowie Dauer und Art des Verbands (operateurabhängig)
Harnableitung: bei Windelkindern Dripping-Stent/transurethrale Softstents mit Harnableitung in (Doppel-)Windel, bei toilettentrainierten Knaben transurethraler Katheter. Keine allgemeine Empfehlung bezüglich Dauer der Harnableitung.
Entlassung mit Harnableitung möglich.
Keine postoperative Fixation des Kindes!
Komplikationsrate u.a. abhängig von der Ausprägung der Hypospadie und Versiertheit des Operateurs (50 Hypospadien/Jahr wären wünschenswert), Operationstechnik und postoperativer Wundheilung: z. B. Fistelrate 5-10 % bei distalen HSP, 30-60% bei proximalen HSP (penoskrotal, skrotal, perineal).
Elektiver Rezidiveingriff z. B. bei Fistel ab 6 Monaten nach dem Ersteingriff, ggf. hormonelle Vorbehandlung (s.o.)
Eine langfristige Nachsorge sollte bis zur Adoleszenz gegeben sein, um das kosmetische und funktionelle Outcome (u.a. Fistel, Meatusstenose, Harnröhrenstriktur, Penisdeviation, Harnröhrendivertikel, Ejakulationsstörung) und die Patientenzufriedenheit evaluieren zu können. Fotodokumentation intra- und postoperativ (unter Respektierung der Privatsphäre der Patienten) sowie Evaluation der Miktion (Miktionsbeobachtung, klinische Angabe oder Video)! Uroflowmetrie nur bei subjektiven Beschwerden indiziert.
Bei proximalen Hypospadien mit Hodenhochstand wird postnatal eine genetische und endokrinologische Abklärung empfohlen. Eine Vorstellung im DSD/VdG-Board bzw. in einen entsprechenden Ablauf ist auch bei isolierten skrotalen und perinealen Hypospadien empfohlen.
Die Therapiemodalität der Hypospadie muss individuell entschieden werden.
Nicht deszendierter Hoden ein- oder beidseitig (ca. 30%), in der Regel kongenital.
Inzidenz zwischen 1-4% termingeborener männlicher Säuglinge, bis zu 45% bei Frühgeborenen.
Spontane Deszension bis etwa zum 6. Lebensmonat möglich.
Die Einteilung erfolgt nach Tastbarkeit des Hodens und seiner Lage.
Mit Kryptorchismus wird die unbekannte Hodenlage bezeichnet (nicht tastbar, im Ultraschall nicht darstellbar).
Pendelhoden: Hoden pendelt zwischen Leiste und Skrotum. Sekundäre (spätere) Aszension in bis zu 30%.
Gleithoden: Hoden unter Zug nach skrotal ausstreifbar, verbleibt nicht im Skrotum, retrahiert wieder in die Leiste.
Leistenhoden: Hoden in der Leiste gelegen, nicht nach skrotal ausstreifbar.
Ektoper Hoden: Ektop, nicht entlang des normalen Deszensionspfades gelegen (epifaszial umgeschlagen, perineal, femoral u.a.).
Abdominalhoden: Im Bauchraum gelegener Hoden.
Vanishing testis: Atropher Hoden nach perinataler Torsion.
Agenesie: Nicht angelegter Hoden.
Post partum durch den Geburtshelfer oder Kinderarzt, anschließend durch den Haus-/Kinderarzt im 1. Lebensjahr.
Zuweisung zur Kinderurologie ab dem 6. Lebensmonat.
Erstdiagnose bereits postpartal oder sekundäre Aszension, Voroperationen, Hodenlage in entspannter Atmosphäre, Hodenlageprotokoll ausgefüllt durch die Eltern (2-3x täglich notieren der Hodenlage über 2-3 Wochen). Das alleinige Hodenlageprotokoll stellt keine Indiktion für eine Operation dar.
Inspektion: Beurteilung des Skrotums, eine Asymmetrie kann Ausdruck eines Hodenhochstandes sein.
Palpation: Unter Verwendung beider Hände, die nicht dominante Hand auf dem Bauch/Leiste, die dominante Hand tastet den Hoden von skrotal, evt. mit US-Gel, zusätzliche Untersuchung im Schneidersitz bei unklaren Fällen, Beurteilung einer möglichen ektopen Lage.
Hochauflösender Schallkopf nötig. Darstellung von nicht tastbaren Leistenhoden (z.B. bei adipösen Kindern). Am inneren Leistenring gelegene Hoden und peeping testes können eventuell dargestellt werden. Beurteilung einer möglichen kontralateralen kompensatorischen Hypertrophie (> 17 mm Längsdurchmesser) als Hinweis für eine ipsilaterale Atrophie (vanishing testis).
Bei beidseitig nicht-palpablem Hoden und/oder auffälligem äußerem Genitale (z.B. Hypospadie): Abklärung in Zusammenarbeit mit der pädiatrischen Endokrinologie.
MRT ist nicht indiziert.
bei nicht tastbaren Hoden
Eine Hormontherapie ist beim unilateralen Hodenhochstand nicht indiziert.
Bei Monorchie: Aus psychologischen Gründen kann eine Implantation einer Hodenprothese peripubertär angeboten werden.
Die Therapie des Hodenhochstands sollte bis zum 18. Lebensmonat abgeschlossen sein.
Flüssigkeitsansammlung zwischen viszeralem und parietalem Blatt der Tunica vaginalis.
Man unterscheidet:
Wenn die Verbindung zwischen Bauchhöhle und Hodenhüllen so weit ist, dass Darm oder Netz in den offenen Prozessus vaginalis eintritt, spricht man von einer Leistenhernie.
Bei einer abdominoskrotalen Hydrozele handelt es sich um eine Sonderform, bei der der Oberpol der Hydrozele als zystische Formation in den Bauchraum hineinragt - mit tastbarer Resistenz im Unterbauch medial des Leistenbandes und Größenzunahme nach Druck auf das Skrotum. Ist die Flüssigkeitsansammlung auf den Samenstrang begrenzt, dann spricht man von einer Hydrozele funiculi. Diese kann prall sein-Achtung: DD inkarzerierten Leistenhernie.
Bei primärer/kommunizierender Hydrozele wechselnder Füllungszustand (morgens klein/schlaff und abends größer/praller). Die Eltern können dies in der Regel gut beschreiben.
Schmerzlose, teils ausdrückbare Schwellung im Bereich des Skrotums oder der Leiste; Größenzunahme beim Pressen oder Schreien möglich.
Darstellen der Flüssigkeit, des Hodens sowie ggf. von Begleitstrukturen wie Netz oder Darm. Ein persistierend offener Processus vaginalis ist meist proximal nachweisbar. Hochauflösende Linearschallköpfe sind erforderlich.
Bei fehlender Möglichkeit zur Sonographie
Chirurgische Versorgung in der Regel erst ab 18-24 LM, je nach Ausprägung, da in über 90% eine spontane Remission eintritt.
Ausnahmen: Herniation, sehr große Hydrozele oder Hodenlageanomalie.
Der inguinale Verschluss des offenen Processus vaginalis erfolgt in Höhe des inneren Leistenringes unter sorgfältiger Schonung der Samenstrangstrukturen. Der distale Anteil wird gespalten bzw. fenestriert. Eine Raffung oder Resektion der Hodenhüllen ist in diesem Alter selten erforderlich.
In etwa 75% spontane Remission innerhalb von 6-9 Monaten. Bei Persistenz oder ausgeprägtem Befund ist eine chirurgische Versorgung indiziert.
Bei lediglich sonographischem Nachweis eines gering vermehrten Flüssigkeitssaums um den Hoden ohne klinische Symptomatik besteht keine Indikation zur Therapie.
Aufgrund hoher Spontanremissionsraten ist eine operative Therapie meist erst ab 18-24 Monaten je nach Ausprägung bzw. bei Persistenz einer sekundären Hydrozele über mehr als 9 Monate indiziert.
Bei der Varikozele handelt es sich um eine abnorme Erweiterung des Plexus pampiniformis.
Die Prävalenz bei Adoleszenten liegt bei bis zu 20%.
Fertilitätsprobleme können später in etwa 20% der Fälle auftreten. Die Ätiologie der Varikozele ist multifaktoriell, jedoch führt der venöse Abfluss der V. testicularis sinistra über die linke Nierenvene zu einem erhöhten Abflusswiderstand und begünstigt somit einen venösen Reflux. Die Varikozele tritt daher in bis zu 90% der Fälle linksseitig auf, kann aber auch bilateral vorkommen. Eine isolierte rechtsseitige Varikozele ist selten und sollte an sekundäre Ursachen durch Abflussbehinderung denken lassen (z.B. Nierentumor, retroperitoneale Tumoren). (1)
Meist asymptomatisch. Selten Druckgefühl, ziehende Schmerzen oder störende Schwellung.
Untersuchung im Stehen. Skrotale Schwellung, tastbares Venenkonvolut in Ruhe oder bei Valsalva-Manöver („Sack voller Würmer“)
Grad I: Im Stehen unter Valsalva palpabel
Grad II: Im Stehen ohne Valsalva palpabel, jedoch nicht sichtbar
Grad III: Im Stehen sichtbar („Wurmskrotum“)
Es besteht keine einheitliche Evidenzlage zur Operationsindikation bei Varikozele. Eine Behandlung wird jedoch bei Symptomatik, kosmetisch störender Varikozele II° und III°, sowie Hodenhypotrophie bei Kindern und Jugendlichen empfohlen.
Die Erfolgsraten sind bei allen verwendeten Operationstechniken hoch (85-98%). Die Hauptkomplikation der Varikozelenoperation (Ausnahme: antegrade Sklerosierung) ist die Hydrozele, weshalb der Erhalt der Lymphgefäße essentiell ist.
Es gibt keine einheitliche Evidenz für die Operationsindikation bei Varikozele.
Bei Symptomatik, kosmetisch störender Varikozele II° und III°, sowie Hodenhypotrophie bei Kindern und Jugendlichen wird jedoch eine Behandlung empfohlen.
Die kindliche Hydronephrose ist die häufigste pränatal diagnostizierte und beschreibt die Erweiterung des Nierenbeckenkelchsystems.
Ihre Ätiologie reicht von häufigen physiologischen Varianten über funktionelle Abflussbehinderungen bis hin zu obstruktiven uropathologischen Prozessen.
Die häufigste Ursache ist eine transiente Harnabflussstörung am ureteropelvinen Übergang, gefolgt von vesikoureteralem Reflux (VUR), Megaureter, posterioren Urethralklappen (PUV) und obstruktiven Ureterozelen. Eine Differenzierung ist essenziell, da sie die Prognose und das therapeutische Vorgehen maßgeblich beeinflusst. Die meisten Nierenbeckenkelchsystemerweiterungen stellen eine benigne Variante dar und bedürfen meist keiner Intervention.
In selteneren Fällen bestehen absolut behandlungsbedürftige Abflussstörungen mit dem Risiko von Nierenfunktionsverlust.

Abb. 1 | [Quelle: Modifiziert nach: https://www.uab.edu/images/peduro/SFU/sfu_grading_on_web/sfu_grading_on_web.htm]
Die pränatale Sonographie ermöglicht in der Regel ab der 20. Schwangerschaftswoche die Detektion einer Hydronephrose. Der anteroposterior gemessene Durchmesser des Nierenbeckens (APD) dient dabei als primärer Parameter zur Graduierung (z. B. nach der SFU-Klassifikation).
Bei pränatalem Nachweis einer Hydronephrose erste Untersuchung ab dem 3.-4. Lebenstag wegen zuvor bestehender physiologischer Oligurie.
HN 1: Normalbefund, einmalige US-Kontrolle nach 8-12 Wochen.
HN 2: Normgrenzbefund. US-Kontrolle nach 6-8 Wochen und evtl. im 3.-5. Lebensmonat bei unauffälliger Klinik. Refluxprüfung nur bei HWI und sonstigen US-Auffälligkeiten (z.B. wechselnde Hydronephrose, Urothelzeichen, wechselnd weites Ureterlumen).
HN 3/4: Bei männlichen Neugeborenen insb mit HN III/IV und Megaureter (Durchmesser prävesikal ≥ 7mm) MCU zum Screening bzgl einer Urethralklappe post partum. Insbesondere bei bilateralen Befunden oder Einzelniere Sonographiekontrolle am 10.-14. Lebenstag.
Bei unilateraler NBKS-Erweiterung jeden Geschlechtes und bds. HN III/IV bei Mädchen: US-Kontrolle nach 3 Wochen, Diureserenographie im Alter von 6-12 Wochen (bei Frühgeborenen korrigiertes Alter).
Im Falle des Verdachtes auf infravesikale Obstruktion ist eine MCUG indiziert.
Weitere Abklärung mit MAG3 Szintigraphie bei Hydronephrose (nach SFU) III/IV nach frühestens 5 Lebenswochen (ab berechnetem Geburtstermin) – siehe Kapitel Diagnostik.
Die UPJ Enge führt durch den beeinträchtigten Harntransport vom Nierenbecken in den proximalen Harnleiter zu einer Dilatation des Nierenbeckenkelchsystems und zu einer potenziellen Nierenschädigung. Sie ist die häufigste Ursache der neonatalen Hydronephrose mit einer Inzidenz von 1:1500. Knaben sind häufiger betroffen als Mädchen im Verhältnis 2:1.
Sonographie: Bildgebung der Wahl zur Diagnose einer Ureterabgangsenge. In Einzelfällen bietet sich ergänzend die Durchführung einer funktionelle MR-Urografie an mit der zuverlässig Aussagen zur Morphologie und Funktion getroffen werden können.
MAG3 Szintigrafie:
Indiziert zur Beurteilung der seitengetrennten Nierenfunktion und dem Grad der Obstruktion. Eine vorübergehende Harnableitung mittels eines transurethralen DK ist bei Kindern mit nachgewiesener Blasenentleerungsstörung indiziert. Postmiktionsbilder sind wesentlich.
Absolute Indikationen für eine operative Korrektur sind Abgangsengen bei Einzelniere und reduzierter Nierenfunktion sowie symptomatische Abgangsengen deren Definition im Kindesalter naturgemäß herausfordernd sind. Beispiele sind Abgangsengen mit rezidivierenden Harnwegsinfekten, Abgangsengen mit Hämaturie oder Steinbildung sowie signifikante Raumforderung durch eine stark vergrößerte Niere.
Bei allen anderen Abgangsengen erfolgt die Indikationsstellung im Verlauf abhängig von Ultraschallbefunden und MAG3 Befunden.
Therapieziel ist, eine relevante Obstruktion zu erkennen, die sich auch erst im Verlauf entwickeln kann und das Verhindern einer weiteren Schädigung der Niere. Entscheidungskriterien für die Operation sind die Zunahme der Hydronephrose im Ultraschall, eine Abnahme der Seitenfunktion und der Nachweis einer persistierenden oder zunehmenden obstruktiven Auswaschkurve (Plateau-/Kletterkurve).
Klassische Therapietrigger sind dabei ein max. Nierenbeckenquerdurchmesser ≥ 24 mm (gemessen zwischen den beiden Parenchymlippen) sowie eine ipsilaterale Seitenfunktion (≤ 40 %).
Bei eindeutigem Obstruktionsverdacht soll auch im ersten Lebensjahr eine Nierenbeckenplastik erfolgen.
Eine Antibiotikaprophylaxe ist bei isolierter Nierenbeckenkelcherweiterung nicht indiziert, ebenfalls keine passagere Ableitung in Form einer Nephrostomie (Ausnahme Urosepsis).
Eine Sonderform stellt die höhergradige (mitunter intermittierende) Hydronephrose des älteren Kindes dar. Diese meist symptomatische NBKS-Erweiterung (intermittierende Flankenschmerzen, z.B. nach reichlich Flüssigkeitszufuhr – „Dietl Krise“) ist überwiegend durch obstruierende untere Polgefäße bedingt.
Technik: Offen-operative oder minimal-invasive Techniken, wie laparoskopische, retroperitoneoskopische und robotisch assistierter Nierenbeckenplastik in der Anderson-Hynes-Technik. Zur Vermeidung von Leckagen bietet sich die Schienung der pyeloureteralen Anastomose mittels extern ausgeleitetem Splint (Pyeloplastik-Katheter) oder innerem Splint (Double-JJ) an.
Dringliche Operationsindikationen sind Ureterabgangsstenosen bei Einzelniere, bei reduzierter Nierenfunktion in kausaler Relation sowie symptomatische Abgangsengen.
Bei allen anderen Ureterabgangsstenosen erfolgt die Indikationsstellung im Verlauf abhängig von Ultraschall- und MAG3-Befunden.
Prävesikale Dilatation des Harnleiters ≥7 mm.
Inzidenz: ca. 0,3 von 1000.
Jungen sind etwa 4× häufiger betroffen als Mädchen, die linke Seite überwiegt. Ca. 20–25% der Fälle sind bilateral.
Der Megaureter wird (historisch) nach Pfister und Hendren (Urology, 1978) in 3 Schweregrade eingeteilt (ursprünglich anhand des i.v.-Pyelogramms oder retrograder Darstellung)

Abb. 2 ] [Pfister, Urology, 1978]
Megaureter können auch im Rahmen eines Doppelsystems auftreten. Hierbei meist dysplastisches, eingeschränkt funktionierendes Oberpolsystem.
Der Oberpolharnleiter kann auch ektop münden (bei Doppelsystem häufiger als bei Einzelsystem).
Siehe Kapitel Doppelnierenanlagen mit assoziierten Anomalien.
Messung der prävesikalen Ureterweite, Beurteilung der Nierenparenchymstruktur (Doppelsystem, Dysplasie), ipsilaterale Hydronephrose, Harnleiterperistaltik (eine darstellbare Peristaltik ist nicht prädiktiv für Maturation oder Harnwegsinfektrisiko).
Indikation ab Hydronephrose Grad ≥3, Beurteilung der Seitenfunktion (DRF), Transitzeit, sowie der Ober- versus Unterpolfunktion.
Die Interpretation einer MAG3-Nierenszintigraphie kann durch das Vorhandensein eines Megaureters erschwert sein, da eine verzögerte Transitzeit auch durch die erhöhte Aufnahmekapazität des dilatierten Ureters oder Nierenbeckens verursacht werden kann.
Ausschluss eines vesikoureteralen Refluxes (VUR) oder einer sekundären ureteropelvinen Abgangsenge durch Harnleiterkinking
zur Beurteilung des Seitengetrennten Funktion und Nierennarben bei rezidivierenden Infekten
als strahlenfreies alternatives Verfahren.
bei spezieller Fragestellung,
Eine Spontanmaturation tritt in bis zu 85% der Fälle auf. Harnwegsinfekte stellen das Hauptproblem dar.
Im ersten Lebensjahr ist die Vermeidung von Harnwegsinfekten das Hauptziel.
Antibiotikaprophylaxe im 1. Lebensjahr wird empfohlen. Fortsetzung nach dem ersten Lebensjahr abhängig vom individuellen Risikoprofil.
Bei Jungen ggf. zusätzlich: Zirkumzision, topische Corticoid-Therapie bei Phimose (zur Harnwegsinfektrisikoreduktion).
Therapie sekundärer Ursachen.
Im ersten Lebensjahr alle 3 Monate.
Indikationen:
Rezidivierende fieberhafte Harnwegsinfekte, progrediente Hydronephrose, Abfall der Seitenfunktion in der MAG3 um ≥5-10% oder SF <40%, Koliken/Flankenschmerzen, Steine, , rez. Durchbruchsinfekte
Persistierender Megaureter ohne Maturation bei asymptomatischem Kind: Individuelle Indikationsstellung diskutieren
Harnleiterneuimplantation:
Harnleiterneuimplantation mit oder ohne Tapering/Tailoring.
Isolierte Uretermündungsstenose (primär obstruktiver Megaureter):
endoskopische Ballondilatation (uneinheitliche Literatur, Therapieoption in erfahrenen Zentren)
Ureterokutaneostomie:
Indiziert bei schweren Infekten im Säuglingsalter, Sober-Technik (passagere, nicht endständige Stoma), keine definitive Therapie, selten nötig.
Doppelsysteme: Siehe Kapitel Doppelnierenanlagen mit assoziierten Anomalien.
Ureteroureterostomie
Oberpolheminephrektomie: in seltenen Fällen indiziert
Beim Megaureter besteht eine hohe Rate an spontaner Maturation (bis zu 85%) innerhalb der ersten Lebensjahre. Es besteht jedoch ein hohes Risiko für Harnwegsinfekte bei einem Harnleiterdurchmesser von ≥7 mm.
Rückfluss von Urin in den Ureter und/oder Nierenbeckenkelchsystem während der Füllung (sog. passiver VUR) oder während der Miktion (sog. aktiver VUR), ursächlich bedingt durch einen insuffizienten vesikoureteralen aktiven (muskulösen) und/oder fehlenden passiven (submuköser „Tunnel“) antirefluxmechanismus.
1,3%, 35-50% nach einem fieberhaften HWI, Mädchen zu Knaben: 4:1, altersabhängig, primär Knaben im 1. Lebensjahr und Mädchen ca. ab dem 2. Lebensjahr. Erhöhte Wahrscheinlichkeit falls VUR bei Eltern (5-15%) oder Geschwistern (15-20%). Es kommt in vielen Fällen zu einer spontanen Remission des radiologischen Phänomens VUR, in erster Linie durch einen verminderten Druck in der Blase und bis zum abgeschlossenen Toilettentraining.
Sekundärer VUR = Reflux durch anatomische (Urethralklappe), neurogene (Sphinkter-Detrusordyssynergie bei Spina bifida) oder funktionelle infravesikale Obstruktion, welche zu einem erhöhten Druck in der Blase beitragen können.
Rezidivierende fieberhafte Harnwegsinfektionen (Pyelonephritiden) treten im Kontext eines VUR häufiger auf und können zu irreversiblen Nierenparenchymschädigungen, im Extremfall zur Niereninsuffizienz führen.
In jede Therapieentscheidung sollte die Elternpräferenz nach eingehender Information miteinfließen.
Die Behandlung von und die weitere Diagnostik bei VUR hängt von Risikokriterien bezüglich weiterer HWI und deren Auswirkungen ab, der Refluxgrad ist als alleiniges Kriterium nicht geeignet eine Voraussage zu treffen.
Diagnose im Rahmen von fieberhaften (selten nicht fieberhaften) Harnwegsinfekten (in bis zu 50 % aller Harnwegsinfekte).
Prä- oder postpartum im Rahmen des Ultraschallscreenings aufgrund indirekter Zeichen und nachfolgender Diagnostik z. B. wechselnde Hydronephrose, erweiterter Harnleiter/Megaureter.
Evaluierung des Refluxgrades, der Ureter- und Blasenkonfiguration sowie Beurteilung der Urethra (z.B. „spinning top urethra“ bei Mädchen, Urethrapathologien beim Knaben – cave: ein Ausschluss einer Urethralklappe ist mit der MCU-Untersuchung nicht sicher möglich!).
Nachdem der Harn unter testgerechter antibakterieller Therapie steril und das Kind fieberfrei ist (Urinkultur negativ). Ein Intervall bis zur MCUG-Untersuchung nach fieberhaftem HWI muss nicht eingehalten werden.
Evaluierung des Nierenparenchyms, von potenziellen Narben (diffus/kongenital im Sinne der „Refluxnephropathie“, umschrieben/singulär in den Polbereichen/Compoundpapillen bei akquirierten Narben) und der relativen Seitenfunktion.
Bei Kindern mit beginnender Blasen- Darmkontrolle mittels Miktions-/Stuhlprotokollen. Messung des Rektum-Querdurchmessers sonographisch (auf Höhe des Trigonums, >3-3,5cm, ohne Stuhldrang: dann kann der Patient bezüglich einer Blasenentleerungsstörung von einer Stuhlregulation profitieren, bei Obstipationsanamese klare Indikation für Stuhlregulation).
Bei toilettentrainierten Kindern haben Flow(-EMG) und Restharnbestimmung als ergänzende Diagnostik einer zusätzlichen Blasenentleerungsstörung einen Stellenwert.
Bei Verdacht auf neurogene Blase.
Das Ziel der Therapie von Kindern mit vesikoureteralem Reflux ist
Die Therapieoptionen beinhalten die
Eine funktionelle Blasen- und Darmfunktionsstörung (Synonyme: „bladder/bowel dysfunction“, „dysfunctional voiding“, „dysfunctional elimination syndrome“, „dysfunctional lower urinary tract symptoms“ [LUTS] etc.) wird primär, aber auch sekundär, aufgrund des Refluxes diskutiert, bei Kindern mit Kontrolle der Blasenfunktion sollte diese durch Stuhlregulation, urotherapeutische Verhaltensmaßnahmen (wie zum Beispiel einer Doppelmiktion bei großer Blase / „lazy voiding“), Biofeedback und nach genauer Indikationsstellung anticholinerger Therapie behandelt werden.
Der nachfolgend dargestellte Konsensus stellt eine Therapierichtlinie dar, die entsprechend dem Einzelfall modifiziert werden muss.
Therapie/Diagnoserichtlinien entsprechend dem Alter, dem Refluxgrad, der Refluxnephropathie sowie dem Geschlecht: S = Standard; E = Empfohlen; O = Optional (Tab. 1-3)
| Tabelle 1: Kind im 1. Lebensjahr (< 12 Mo) mit diagnostiziertem VUR (nach fieberhaftem HWI) oder im Rahmen einer Hydronephroseabklärung unabhängig vom VUR-Grad | ||
|---|---|---|
| Standard | Diagnostik | Therapieoptionen |
|
S: AB-Prophylaxe bei High-Risk-Fällen, engmaschige 3-monatliche klinische Kontrollen. E: Bei Knaben mit Durchbruchsinfekten: CC und Endoskopie zur Sekundärprophylaxe und zum sicheren Ausschluss/Therapie einer posterioren Harnröhrenklappe |
E: Bei assoziierter Hydronephrose > III bei leerer Blase: MAG3-Scan mit liegendem DK O: DMSA-Scan zur Evaluierung bei höhergradigem VUR (III–V), Begleitpathologien (posteriore Harnröhrenklappe, komplexe Fehlbildung, Einzelnieren) und/oder path. US |
Eine aktive, endoskopische oder offen chirurgische Therapie des VUR im 1. LJ nur bei rezidivierenden Durchbruchsinfekten oder Verlust von Nierenfunktion (z. B. bei bereits primär eingeschränkter Nierenfunktion). |
| Tabelle 2: Kind mit VUR im 2. Lebensjahr | ||
|---|---|---|
| Standard | Diagnostik | Therapieoptionen |
|
E: AB-Prophylaxe bei High-Risk-Fällen, Diskussion mit den Eltern bezüglich möglicher definitiver Therapieoptionen: Auslassversuch der AB-Prophylaxe bei Low-Risk-Fällen (z. B. ohne DMSA-Veränderungen) |
S: Keine Diagnostik bei asymptomatischem Verlauf O: MCUG/DMSA Reevaluierung des VURs nach Vollendung des 1. Lebensjahres nur bei Einfluss auf die Therapieentscheidung! |
|
| Tabelle 3: Kind mit VUR > 2 Jahre bzw. toilettentrainierten Kindern | ||
|---|---|---|
| Standard | Diagnostik | Therapie |
|
Evaluierung der Blasenfunktion bei „dysfunctional voiding“ („bladder/bowel dysfunction“) Blasentraining |
US (Obstipation?), Flow/EMG, bei Klappenkindern, evtl. DV Videourodynamik |
Therapie der Blasenentleerungsstörung Chirurgie: individualisiertes, risikoadaptiertes Vorgehen – maximale Effizienz bei minimaler Invasivität |
Die Therapie bei VUR ist individuell und risikoadaptiert, sie zielt auf die Minimierung von Morbidität (aufgrund von Harnwegsinfekten aber auch medizinischen Maßnahmen) und auf Vermeidung von Nierenfunktionsverlust ab.
(Anamnese – insbesondere in Bezug auf Blasen- und Darmentleerungsstörungen, Blutdruck- und Harnkontrollen (Mikroalbuminurie) jährlich, insbesondere bei bekannten DMSA Veränderungen, Harnkontrollen, Nierenretentionswerte bei höhergradigem VURs und/oder Refluxnephropathie)
Optimierung des Toilettenganges, restharnfreie Blasenentleerung sowie Evaluierung des Darmmanagements.
Harntrakt/Restharn, Blasenfunktionsevaluierung, Rektumquerdurchmesser, Ultraschall nach endoskopischer Refluxtherapie,
bei (fieberhaften) Infekten
bei postoperativen HWI‘s, Refluxnephropathie und/oder signifikanten Parenchymveränderungen
bei Verdacht auf (postoperative) Obstruktion
Nephrologische Anbindung ALLER PATIENTEN mit V.a. Refluxnephropathie oder ausgeprägten Nierenschäden.
Etwa 7–8 % aller Mädchen und 2 % der Buben erleiden bis zum 7. Lebensjahr mindestens eine symptomatische Harnwegsinfektion. Im Alter unter einem Jahr sind Buben häufiger
betroffen als Mädchen, danach erkranken Mädchen öfter an Harnwegsinfekten. Zirkumzidierte Buben haben im frühen Säuglingsalter ein geringeres Risiko für HWI als nicht-zirkumzidierte Buben.
Die Erreger sind meist gramnegative Darmbakterien, allen voran Escherichia coli (>80 %). Bei Kindern kommen andere Erreger wie Klebsiella, Proteus oder Enterokokken deutlich häufiger vor als bei Erwachsenen.
Risikofaktoren umfassen angeborene urologische Anomalien (z. B. vesikoureteraler Reflux, Obstruktionen), Restharnbildung und funktionelle Miktionsstörungen (häufig in Kombination mit Obstipation).
Klinische Erscheinungsformen:
Komplizierter HWI: mit Harntransportstörung
Differenzierung zwischen Zystitis (lokaler, nicht fieberhafter HWI) und Pyelonephritis
(systemischer HWI, gesicherte Mitbeteiligung des Nierenparenchyms): Meist Fieber (> 38,5°C), systemische Krankheitszeichen und erhöhte Entzündungswerte. Insbesondere PCT kann ein spezifischer Hinweis auf die Beteiligung der Nieren sein. Außerdem können Ausfälle in der Power-Doppler Sonographie relativ spezifisch eine Pyelonephritis darstellen.
Eine Akut-DMSA Szintigraphie ist derzeit der Goldstandard in der akut-HWI Diagnostik.
Die unterschiedliche Nomenklatur (kompliziert / unkompliziert, fieberhaft / nicht fieberhaft, Pyelonephritis, Urosepsis) mit unterschiedlichen Dokumentationen reflektiert die diagnostische Unsicherheit.
(Harnstreifentest, -mikroskopie, -kultur)
Die möglichst korrekte Interpretation der Harnbefunde setzt Kenntnisse bezüglich Symptomatik, Medikation, Harngewinnung und -transport voraus.
Zeichen für eine Kontamination der Harnprobe können niedrige Keimzahlen, Mischkulturen, unterschiedliche Keime in seriellen Harnproben sowie der Nachweis von gewöhnlich nicht uropathogenen Keimen sein.
Harngewinnung (siehe auch Kapitel Diagnostik):
Es sollte insbesondere bei V.a. Pyelonephritis im Säuglings- und Kleinkindesalter keine Einleitung einer antibiotischen Therapie vor Gewinnung einer Harnprobe erfolgen (Ausnahme: Nicht vertretbare zeitliche Verzögerung einer Antibiotika-Therapie bei Urosepsis und technisch schwieriger Harngewinnung).
Harnstreifentest: vor allem Nachweis von Leukozyten und Nitrit (nicht-nitritbildende Keime z. B. Enterokokken, Staphylococcus spp., Pseudomonas; falsch neg. Nitrit-Reaktion trotz Anwesenheit nitritbildender Keime u.a. bei Blasenverweildauer des Harns < 4 h (z. B. Säuglinge), sehr saurem Harn, Einnahme von Vitamin C). Auch ein unauffälliger Streifentest kann eine Pyelonephritis nicht sicher ausschließen (Sens 90%)!
Harnmikroskopie: (Bakterien, Leukozytenzylinder - Pyelonephritis)
Harnkultur: obligat bei V.a. Pyelonephritis oder komplizierter Zystitis (entweder im Flüssigmedium oder als Festmediumkultur)
Signifikante Keimzahl ≥ 105 KBE/ml im Spontan-/Sackerlharn ohne Symptome, > 104 KBE/ml mit Symptomen, > 103 bei Katheterharn, bei Punktionsharn jeder Keimnachweis, Resistenzbestimmung!
Kein Diagnosekriterium hat 100% Sensitivität/Spezifität. Bei hoher Diurese können Leukozyturie und Bakteriurie maskiert sein.
bei Pyelonephritis oder septischem Zustandsbild:
CRP, Procalcitonin, komplettes Blutbild, Gerinnung, Elektrolyte, Nierenfunktionsparameter (Cave: Erhöhtes Risiko eines transienten sekundären Pseudohypoaldosteronismus mit Salzverlust, Hyperkaliämie und metabolischer Azidose vor allem bei Säuglingen in den ersten 3-6 Lebensmonaten.), Blutkulturen.
des gesamten Harntrakts inklusive Farbdopplersonographie: bei rez. HWI sowie als Basis-Diagnostik bei jeder Pyelonephritis im Säuglings- und Kleinkindesalter innerhalb von 24h. Eine Power Doppler Sonographie kann in der Akutdiagnostik eines Harnwegsinfekts sinnvoll sein.
i. d. R. mittels Miktionszystourethrogramm (MCUG); bei entsprechender Expertise auch mittels Miktionsurosonographie (MUS): nicht routinemäßig nach jeder Harnwegsinfektion erforderlich, sondern zielgerichtet und risikoadaptiert.
Die Reflux-Diagnostik erfolgt zeitnah, aus praktischen Gründen durchaus noch im Rahmen des stationären Aufenthaltes unter laufender antibiotischer Therapie nach mindestens 24h ohne Fieber.
Die Indikation zur weiteren Diagnostik ist nicht eindeutig klar auf Datenbasis zu regeln. Deswegen gibt es unterschiedliche Empfehlungen.
Grundsätzlich sollte bei Vermeidung von Überdiagnostik das Risiko von rezidivierenden HWIs ernst genommen werden.
Diese Empfehlung versucht einen sinnvollen, gemeinsamen Mittelweg zu finden. Die Notwendigkeit einer weiteren Abklärung zielt auf die Vorhersage des Risikos weiterer Harnwegsinfekte ab, sie richtet sich nach Alter, Verlauf und Begleitbefunden.
Sinnvoll ist eine Refluxdiagnostik insbesondere in folgenden Situationen:
1. Erste Pyelonephritis bei
2. Rezidivierende Harnwegsinfekte
3. Atypischer oder klinisch ausgeprägter Verlauf, z. B.:
4. Pathologischer Sonographiebefund, z.B.:
Die Refluxdiagnostik mittels MCUG ist primär bei hohem strukturellen Risiko oder auffälligem Verlauf indiziert – nicht bei jedem Kind.
Eine DMSA Szintigraphie kann
Eine Refluxdiagnostik nach Harnwegsinfekten ist dann indiziert, wenn das Risiko für Rezidivinfekte erhöht erscheint. Dies hängt von vielen Faktoren ab.
In speziellen Situationen (ältere Kinder, positiver DMSA Scan, rezidivierende HWI mit vorangegangenem negativem MCUG) kann eine Urethrozystoskopie mit PIC-Zystogramm (incl. einzeitiger endoskopischer Therapie bei VUR-Nachweis) sinnvoll sein.
Funktionsdiagnostik: Die Evaluation der Blasenfunktion ist ein integraler Bestandteil der HWI Diagnostik z. B. Miktions-Trink-Stuhlprotokoll, Flow/EMG, Restharnmessungen bei toilettentrainierten Kindern (=nicht-invasive Urodynamik), sonographische Bestimmung des Rektumdurchmessers (BBD=Bladder and Bowel Dysfunction).
(Video)Urodynamik bei klinischen oder bildgebenden Hinweisen auf eine zugrundeliegende Blasenentleerungsstörung, die mit nicht-invasiver Urodynamik nicht abgeklärt werden kann.
Wenn eine Nierenmitbeteiligung wahrscheinlich erscheint (Pyelonephritis), muss eine möglichst schnelle und effiziente antibakterielle Therapie eingeleitet werden, um Nierenfunktionsverlust zu verhindern.
Diese ist meist zunächst empirisch zu wählen – vor Erhalt der Harnkulturergebnisse - abhängig von Erregerwahrscheinlichkeit, lokaler Resistenzlage, evtl. antibiotischer Vortherapie sowie individuellem Risiko und Alter des Kindes, Schwere und Lokalisation der Infektion, Nierenfunktion und evtl. Allergien.
Eine asymptomatische Bakteriurie sollte nur bei Relevanz (geplante Operation, mögliche Signifikanz für weitere Untersuchungen) und bei Schwangeren behandelt werden.
Indikationen zu einer initial parenteralen Antibiotika-Therapie sind :
Begleitend können neben der raschen Einleitung einer intravenösen Antibiotikatherapie supportive Maßnahmen sinnvoll sein. Die Anlage einer Blasendrainage/DK entlastet den oberen Harntrakt vor allem im Hinblick auf den potentiell auslösenden Mechanismus eines insuffizienten ureterovesikalen Verschlusses (VUR) - insbesondere bei Blasenentleerungsstörungen und Nichtansprechen zu erwägen.
Auch bei Hydronephrose oder Megaureter sind Akutinterventionen, wie Anlage eines Doppel-J-/Mono-J-Katheters, einer Nephrostomie oder Versorgung mittels Ureterocutaneostomie in Einzelfällen bei fehlendem Ansprechen auf die antibakterielle Therapie oder ein initial kritisches Präsentationsbild notwendig.
Die Wahl der Antibiotika richtet sich nach dem lokalen Erregerspektrum, grundsätzlich ist im Kindesalter der höhere Anteil atypischer Keime mit zu bedenken. In den ersten 3 Lebensmonaten, bei jedem Verdacht auf eine Urosepsis sowie bei Immunsuppression sollte die initiale Therapie solche Erreger mitumfassen (Kombination von Antibiotika).
Indikation für eine Infektprophylaxe kontrovers; vor allem bei erhöhtem HWI-Risiko bzw. Risiko für die Entwicklung von Nierenparenchymdefekten z. B. Harntraktanomalien (u.a. Megaureter, dilatierender VUR, Harnröhrenklappe), Blasenfunktionsstörungen, Obstipation.
In Anbetracht des Risikos einer Resistenzentwicklung, eines Einflusses auf das Mikrobiom und potenziellen Nebenwirkungen Nutzen-Risiko-Abwägung mit individueller Entscheidung.
z. B. D-Mannose, L-Methionin, Phytotherapeutika; vor allem bei rez., symptomatischen, unkomplizierten Zystitiden im späteren Kindes- und Jugendalter
z. B. Regulation der Stuhlentleerung/Obstipationstherapie, Therapie von Blasenfunktionsstörungen inkl. Urotherapie, Therapie einer Phimose, Labiensynechie etc.
Abkürzungen:
HWI: Harnwegsinfekt
KBE: koloniebildende Einheiten
Urolithiasis = Überbegriff: Harnsteinerkrankung, Steine in den Harnwegen
Ziegelmehl: Harnsäure-Präzipitate im NBKS, in den ersten Lebenswochen physiologisch
Nephrokalzinose - verkalkte Markpyramiden (trotz gemeinsamer ätiologischer Faktoren kommen Nephrokalzinose und Urolithiasis relativ selten gemeinsam vor)
Ca. 1% aller Steine betreffen Kinder/Jugendliche unter 18 Jahren. 50 von 100.000 Adoleszenten, mit ca. 50% Rezidiv innerhalb von 3-5 Jahren. Zunehmend (USA: 50% Zunahme zwischen 1997 und 2012, am deutlichsten bei 15-19-jährigen). Starke Unterschiede nach Herkunft (häufiger im Nahen Osten).
Supersaturation, Fehlen des Inhibitors (zB Citrat), pH-Dysbalance. Kristallisation um organische Matrix (Nidus), Matrixanteil 2-10%. Zusammensetzung ähnlich wie bei Erwachsenen.
Häufig: Kalzium-Oxalat/-Phosphat (Misch-)Steine. Seltener bei Kindern: Harnsäuresteine
(Klassifikation uneinheitlich, oft keine nachweisbare Pathologie)
(primär: Struvit, auch: Apatit), gering schattengebend
Steinursache: NH4 und hoher pH bei Harnwegsinfekt mit Urease positiven Keimen (V.a. Proteus,
aber auch Klebsiella, Peudomonas, Enterobacter).
Infektursachen: Blasen-/Darm-Entleerungsstörungen, (ev. VUR, Megaureter, v.a. wenn <3 Jahre alt), Augmentation
inkomplett autosomal rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung
gering schattengebend;
oft große Steinlast und häufige Rezidive, daher relevante Gruppe, obwohl die
Cystinurie per se selten ist, konsequente lebenslange Anbindung erforderlich.
Purinstoffwechsel, nicht schattengebend.
Rarität, nicht schattengebend
Kleine Kinder: unspezifisch (Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen), z.T. auch asymptomatisch
Größere Kinder und Jugendliche: typischere Beschwerden, ja nach Steinlokalisation und Obstruktion
Minimierung der Strahlenbelastung!
Refluxdiagnostik mittels Rö- oder Sono-MCUG ist KEINE Routinediagnostik; (ev. bei Kindern unter 3 Jahren mit Infektsteinen, oder bei Pyelonephritis nach kompletter Steinsanierung)
MRT hat in der Steindiagnostik KEINEN Stellenwert (man sieht die Steine höchstens als KM-Aussparung; Aufwand/Narkose, Kosten)
Im Kindesalter ist eine Stoffwechseldiagnostik Standard – grundsätzlich bei jedem Fall.
Bildgebende Diagnostik stützt sich primär auf den Ultraschall, denn sie muss mit geringst möglicher Strahlenbelastung auskommen, da Kinder mit Steinen ein hohes Rezidivrisiko haben und eine hohe kumulative Strahlenbelastung erreichen können.
| Kalzium/Kreatinin-Quotient | Alter | mg/mg | mmol/mmol |
|---|---|---|---|
| im Spot-Harn Normwerte altersabhängig! |
0–6 Mo | < 0.8 | < 2.24 |
| 6–12 Mo | < 0.6 | < 1.68 | |
| 2–18 Jahre | < 0.2 | < 0.56 |

Abb. 3: Algorithmus für die Metabolische Abklärung von Harnsteinen im Kindesalter Referenz: https://uroweb.org/guideline/paediatric-urology/#3_14
Stein < ca. 5 mm: zunächst konservativ. Spontanabgang?
Stein > ca. 5 mm: Wahl des Verfahrens mit den geringsten zu erwartenden Therapiesitzungen bzw. Krankenhausaufenthalten (abh. von Steinmasse, -zusammensetzung und -lokalisation, Anatomie, Präferenz des Operateurs)
Komplette Steinentfernung anstreben, denn Reststeine bedeuten
Steine gewinnen für Steinanalyse (intraoperativ oder bei Miktion den Harn sieben)

Abb. 4: Harnleitersteine
| 1 bis unter 4 Jahre | 820 ml |
| 4 bis unter 7 Jahre | 940 ml |
| 7 bis unter 10 Jahre | 970 ml |
| 10 bis unter 13 Jahre | 1170 ml |
| 13 bis unter 15 Jahre | 1330 ml |
| 15 bis unter 19 Jahre | 1530 ml |
Referenz: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/wasser/
Terminologie und Abkürzungen
DJ: Double-J
DK: Dauerkatheter (transurethral)
ESWL: Extrakorporaler Stoßwellen Lithotripsie
ED: Einzeldosis
KM: Kontrastmittel
HL: Harnleiter
MET: Medical Expulsive Therapy (v.a. Alphablocker)
Mini-Perc: Mini perkutane Nephrolitholapaxie (Schaftdicke unter 18 Ch)
MRT: Magnetresonanztomografie
MCUG: MiktionsCystUrethroGrafie (radiologisch oder sonografisch möglich)
Mono-J: äußere Harnleiterschiene (wird urethral ausgeleitet und an einem DK fixiert)
NBKS: Nierenbecken-Kelchsystem
PNS: perkutane Nephrostomie
PCNL: perkutane Nephrolitholapaxie
RTA: Renal tubuläre Azidose
Stent: Harnleiterschiene (Mono-J oder Double-J)
URS: Ureteroskoie
Kalziumoxalate
Whewellit (… Monohydrat – härter!) Ca (C2O4) * H2O
Weddellit (… Dihydrat) Ca (C2O4) * 2 H2O
Kalziumphosphate
Apatit (härter!) Ca5(PO4, CO3)(OH,F)2
Brushit СаН (РО4)
Oktakalziumphosphat Ca8H2 (PO4) 6 * 5 H20
Whitlockit Ca9Mg(PO4) (PO3 OH)
Magnesiumphosphate
Struvit Mg(NH4)(PO4) * 6 H2O
Newberryit MgH(PO4) * 3 H2O
Bobierrit Mg3(PO4) 2 * 8 H2O
Harnsäure + Salze
Uricit C5H4N4O3
Uricitdihydrat C5H4N4O3 * 2H;O
Ammoniumhydrogenurat (NH4)C5N4O3 * 2H;O
Natriumhydrogenurat- Monohydrat NaC5H3N4O3 * H20
Seltene Bestandteile
Cystin S (CH2*CH (NH2) COOH) 2
Нopeit Zn3(PO4) 2 * 4H2O
Humboldtin FeC204 * 2H20
Doppelnierenanlagen (DN) kommen mit einer Inzidenz von 0.8 – 4% relativ häufig vor und haben für sich genommen keinen Krankheitswert. Erst bei assoziierten Anomalien, vor allem der Harnleiter, selten Subpelvinstenose insbesondere des unteren Anteils - kommt der DN ein Krankheitswert zu.
zystische Dilatation des intramuralen Uretersegments des Oberpolharnleiters
Inzidenz 1:4.000, in Autopsieserien bis 1:500, Mädchen:Buben 4:1,
Uretermündung des Oberpolharnleiters außerhalb des trigonalen Blasenbereichs (z.B. in Blasenhals, Urethra, Meatus) und z. T. außerhalb des Harntrakts (z. B. bei Mädchen in Vagina, Uterus, Tuben, bei Buben in Samenblasen, Ductus deferens (Derivate des Wolff-Ganges). Nur bei Mädchen ist eine Mündung distal des Sphinkter externus möglich und damit eine mögliche Ursache einer primären HIK.
Inzidenz 1:2.000-1:4.000, Mädchen:Buben 5:1, meist mit Megaureteren, zum Teil mit Ureterozelen und in 80-90% mit DN (oberer Doppelnierenanteil) assoziiert.
Sonographischer Zufallsbefund bei asymptomatischen Kindern, häufig bereits intrauterin oder postpartal (ca. 60%).
Die Doppelniere an sich benötigt keine weitere Abklärung, bei Vorliegen weiterer Auffälligkeiten ist eine weitere Diagnostik bei symptomatischen Kindern oder bei möglichem Nierenfunktionsverlust indiziert. Dies sind insbesondere Fälle mit V.a. eine ektope Harnleitermündung im Kontext eines Megaureters oder Ureterocelen.
In erster Linie in Zentren aufgrund der niedrigen Inzidenz.
Die therapeutischen Möglichkeiten sind kontrovers und reichen von konservativer Therapie über endoskopische (z. B. Ureterozelenschlitzung) und minimal-invasive (z. B. Ureteroureterostomie) Therapieoptionen bis hin zur Heminephrektomie, Ureterektomie und kompletter Rekonstruktion auf Blasenebene mit Ureterozelenresektion und ggf. Harnleiterneuimplantation.
Bei akuten Miktionsproblemen oder prolabierender Ureterocele (z.B. perinatal): Vorsichtige Anlage eines transurethralen Katheters (Ch 6-8) zur Reposition der Ureterocele und zur Blasendrainage (Cave: Vor Blocken des Katheters sonographische Kontrolle der Katheterlage zum Ausschluss einer Katheterisierung des ureterocelenabhängigen Ureters.) bzw. endoskopische Ureterozelenschlitzung.
Konservative Therapie/wait and see: Bei kleinen Ureterozelen ohne Symptomatik, niedriggradiger HN des betroffenen Systems, niedergradigem VUR (I-II). Antibiotische Prophylaxe bei Megaureter (bis zum MCUG vor oder nach endoskopischer Intervention / VUR-Ausschluss).
Quelle: 12 Leitlinie_2025_Doppelniere mit assoz. Anomalien.docx
Neurogene Blasenfunktionsstörungen (NBF) betreffen vorrangig Kinder mit spinalen Dysraphien. Die Inzidenz von Spina bifida liegt in Europa bei etwa 9,1/10.000 Lebendgeburten. Das Wiederholungsrisiko bei weiteren Schwangerschaften beträgt 2–5 %.
Nur ca. 12 % der Neugeborenen mit Meningomyelozele zeigen initial keine Zeichen einer neurogenen Blasenfunktionsstörung. Auch bei unauffälliger postnataler Urodynamik besteht ein hohes Risiko für sekundäre Verschlechterungen, insbesondere im Verlauf der ersten sechs Lebensjahre – vor allem durch sekundäres Tethering.
Obwohl der urologische Benefit wahrscheinlich gering ist, sollte Schwangeren mit einem MMC-Fetus eine fetalchirurgische Behandlung angeboten werden.
I. Spinale Ursachen (spinale Dysraphien)
Bis zu 50 % der Patienten mit anorektalen Malformationen weisen gleichzeitig eine spinale Fehlbildung auf.
II. Erworbene Ursachen
Ursachen für Blasenentleerungsstörungen mit einem Bild wie neurogene Blasenentleerungsstörungen
12% von Neugeborenen haben bei Geburt keine Anzeichen einer neurourologischen Dysfunktion. (Cave: Tethering in den ersten sechs Lebensjahren!)
Die meisten Patienten haben bei Geburt einen unauffälligen oberen Harntrakt, bis zu 60% entwickeln im Laufe der Jahre, bedingt durch die Veränderungen der Harnblase, auch Veränderungen des oberen Harntrakts (Hydronephrose, VUR).
Ca. 37% der Patienten weisen eine Inkontinenz auf, bis zu 40% haben eine eingeschränkte Nierenfunktion, 1,3% brauchen eine Nierenersatztherapie.
Eine urodynamische Einteilung in funktionelle Subtypen ist Grundlage für die Therapieplanung.
| Detrusor | Sphinkter | Typ |
|---|---|---|
| ↑ | ↑ | A |
| ↓ | ↓ | B |
| ↑ | ↓ | C |
| ↓ | ↑ | D |
(Zeichenklärung ↑=überaktiv, ↓=unteraktiv)
| Neugeborene | 12. LWo. | 6. LMo. | (9. LMo.) | 12. LMo. | Danach 6-monatlich | Jährlich bis zur Pubertät | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| DMSA / MAG3 | Optional bei V. a. Harntransportstörung / Nierenparenchymschädigung | ||||||
| Blutdruckmessung | ✓ | ✓ | ✓ | ||||
| Videourodynamik | ✓ | (✓*) | (✓*) | ||||
| Orientierende Urodynamik | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | |||
| Labor (Kreatinin, Cystatin C, GFR) | ✓ | ✓ | ✓ | ||||
| Sonographie (Niere, Blase, Restharn) | ✓ | ✓ | ✓ | (✓) | ✓ | ✓ | ✓ |
| Urinstatus | ✓ | ✓ | ✓ | (✓) | ✓ | ✓ | ✓ |
| Urologische Anamnese inkl. Stuhlanamnese | ✓ | ✓ | (✓) | ✓ | ✓ | ✓ | |
(*) nur bei komplizierter Anatomie, VUR etc.
DMSA/MAG3 bei V. a. Obstruktion oder Parenchymschädigung.
Urodynamische Untersuchungen nach Operationen oder Interventionen (zB an der Wirbelsäule, bei ARM – siehe Kapitel ARM) werden individuell geplant – bei Symptomfreiheit (unauffälliges Miktionsverhalten, keine HWI, unauffällige Sonographie) sind 12 Wochen meist ein sinnvolles Intervall (= akute, reversible OP Folgen kein relevanter Einflussfaktor mehr).
| Wirkstoff | Dosierung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Oxybutynin | 0,1–0,2 mg/kg/d (oral); bis 0,7 mg/kg/d (intravesikal) | ab 5. LJ, off-label |
| Propiverin | 0,8 mg/kg/d in 2 Dosen | ab 5. LJ |
| Trospiumchlorid | 3 × 5–15 mg/d | ab 12. LJ |
| Tolterodin | 0,12 mg/kg/d in 2 Dosen | off-label |
| Solifenacin | 0,07–0,33 mg/kg/d bis max. 10 mg/d | off-label |
Off-label-Use nach ausführlicher Aufklärung und Einverständnis. Frühzeitige Therapieeinleitung empfohlen.
Eine frühe, nicht abwartende Therapie hat bei der neurogenen Blasenentleerungsstörung mehr Vor- als Nachteile für die Patient*innen und Familien. Die Nierenfunktion kann damit effizient geschützt werden und Schäden an der Blase werden verhindert.
Cave: Infravesikale Obstruktion ohne gleichzeitige Augmentation nur nach strenger Indikationsstellung und strukturiertem Langzeit-Follow-up.
Die strukturierte Transition in die Erwachsenenmedizin ist essenziell. Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung haben komplexe Bedürfnisse, die einer interdisziplinären Betreuung bedürfen.
Siehe auch Kapitel 16: Transitionsmedizin
Testikuläre Tumoren sind bei Kindern insgesamt selten und machen etwa 1–2 % aller soliden pädiatrischen Neoplasien aus. Im Vergleich zu postpubertären Jugendlichen und Erwachsenen zeigen sie eine deutlich andere histologische und biologische Charakteristik:
Ein organerhaltendes Vorgehen sollte bei dieser Patientengruppe – soweit onkologisch vertretbar – grundsätzlich angestrebt werden.
Klinische Präsentation
In über 90 % der Fälle präsentiert sich ein testikulärer Tumor bei präpubertären Jungen als schmerzlose Skrotalvergrößerung. Weitere klinische Befunde können sein:
Bildgebung
Tumormarker
Bildgebendes Staging
Histopathologische Diagnostik
Chirurgisches Vorgehen
Onkologische Therapie
Keimzelltumoren
Gonadale Stromatumoren
Andere Tumoren
Einheitliche Nachsorgeempfehlungen existieren bislang nicht, jedoch gelten folgende Prinzipien:
14f) Zusammenfassung
Die Nachsorge erfolgt individuell risikoadaptiert, orientiert sich aber an klaren sonographischen und laborchemischen Parametern.
Die primäre Intervention beim kindlichen Hodentumor besteht in einer elektiven aber baldigen Exploration mit primär Organerhaltendem Vorgehen und intraoperativer Schnellschnittdiagnostik. So können die allermeisten Hoden aufgrund der meist gutartigen Tumoren erhalten werden

Abb. 5: Inkontinenztypen beim Kind (aus ICCS Terminology document)
Ein strukturiertes Vorgehen ist essenziell:
Ein Therapiestart ist frühestens ab dem 5. Lebensjahr sinnvoll. Zuvor sind Demystifikation, Aufklärung und Motivationsförderung zentral.
Reihenfolge:
Zuerst Behandlung von Tagessymptomatik und Obstipation, dann Nachtsymptomatik.
= Enuresis + Harninkontinenz und/oder überaktive Blase
Therapiebeginn ab dem 5. Lebensjahr – besonders bei „Windelproblematik“ im Kindergarten relevant.
Hinweis:
Therapiekombinationen sind häufig erforderlich und sinnvoll – insbesondere bei Übergangsformen zwischen MSE und NMSE.
Zusammenfassung
Die Tagessymptomatik bzw. eine evtl bestehende Obstipation müssen vor der Nachtsymptomatik therapiert werden.
Zahlreiche PatientInnen mit angeborenen oder früh erworbenen urologischen Erkrankungen benötigen eine lebenslange Betreuung (englisch: „lifelong congenital urology“). Insbesondere die Pubertät beziehungsweise das frühe Erwachsenenalter stellen für alle Beteiligten (PatientInnen, Eltern, ÄrztInnen, etc.) eine Herausforderung dar. Das Ziel sollte daher eine geordnete und koordinierte Transition im Sinne einer sorgfältigen Begleitung und Überführung von der Kindermedizin in die/das Erwachsenenmedizin/-alter sein.
Dieser Prozess erfordert oftmals spezifisches Fachwissen, welches sich im klinischen Alltag der Erwachsenenurologie nicht immer widerspiegelt, sodass es hier dezidierter Expertise beziehungsweise Kooperationen und Weiterbildung bedarf.
Das Ausmaß der erforderlichen Betreuung (bespielweise intra- oder extramurale Anbindung) kann nur individuell im Rahmen der Transition festgelegt werden und sollte multiprofessionell sowie -disziplinär erfolgen. Insbesondere sollten hier die Wünsche und Erwartungen der jungen PatientInnen und der Eltern berücksichtigt werden sowie eine (zunehmende) Selbständigkeit und Autonomie gefördert werden.
Wünschenswert wäre ein strukturierter Prozess mit klar definierten AnsprechpartnerInnen (aller Fachrichtungen bzw. entsprechender Vernetzung) sowie einem wohnortnahen Case Manager.
Die Transitionsmedizin benötigt eine kinderurologische Expertise idealerweise in definierten Strukturen
folgende Themen sollten in der urologischen Transition eine besondere Bedeutung haben:
Patientenaufklärung/-information (Therapieadhärenz), Erhalt der Nierenfunktion, Senken der Rezidivrate (Metaphylaxe, frühzeitiges Erkennen von Rezidiv-Steinen) insbesondere bei angeborenen Stoffwechselstörungen (zB Cystinurie).
In Abhängigkeit bestehender Nierenparenchymschäden oder Niereninsuffizienz konsequente nephrologische Anbindung beziehungsweise Screening (Kontrolle der Nierenfunktion, Blutdruck, Proteinurie, etc.). Bei (wiederkehrenden) Infektionen bzw. vor Transition nochmalige Evaluation der Blasenentleerung.
Kontrollen bis ins Erwachsenenalter mit besonderem Augenmerk auf Miktion (Harnstrahl, Restharn), Sexualität (Erektionsfähigkeit, Fertilität) sowie kosmetischem Ergebnis (Deviation, Zufriedenheit).
Lebenslange multiprofessionelle (zB urotherapeutische) und -disziplinäre Anbindung inklusive regelmäßiger urologischer Kontrollen (Nierenfunktion, ISK/IFK, Kontinenz Situation, Infektionen, Steinbildung, Darmfunktion/-management, Sexualfunktion/Sexualität, Schwangerschaft/Kinderwunsch, Therapieadhärenz).
siehe beispielsweise auch Leitlinien der „Spina bifida Association“.
kontinuierliche Überwachung der Blasen- und Nierenfunktion.
Sexualfunktion/Sexualität, gynäkologische Anbindung (Schwangerschaft, Prolapsrisiko), Vorsorgeuntersuchung.
kontinuierliche Überwachung der Blasen- und Nierenfunktion unter nephrologischer Anbindung.
Regelmäßige urologische Kontrollen (Nierenfunktion inklusive Metabolik, ISK/IFK Kontinenz Situation, Infektionen, Stein-/Schleimbildung, Darmfunktion, Karzinomvorsorge, Schwangerschaft/Kinderwunsch, Therapieadhärenz).
Multiprofessionelle und -disziplinäre Betreuung.
Evaluation der Blasenentleerung, der Sexualfunktion/Sexualität sowie eines möglichen Tumorrisikos. Endokrinologische Anbindung.
Entscheidend ist, wie bei allen komplexen Fehlbildungen und Problemen, eine patient:innenadaptierte Transition! (Verweis ARM Kapitel)
Quelle: 16 Leitlinie_2025_Transitionsmedizin.docx
Anorektale Malformationen sind seltene Fehlbildungen des Anus und Rektums mit einer Inzidenz von 1:3500 – 1:5000, die mit unterschiedlicher Ausprägung bei beiden Geschlechtern vorkommen und nach Krickenbeck 2005 klassifiziert werden (Tabelle 1). Sie können isoliert oder syndromal auftreten.
Tabelle 1: Klassifizierungen Anorektaler Fehlbildungen Krickenbeck 2005
| Männliche Formen | Weibliche Formen |
|---|---|
| Perineale Fistel | Perineale Fistel |
| Rektobulbäre Fistel | Rektovestibuläre Fistel |
| Rektoprostatische Fistel | |
| Rektovesikale Fistel | Kloakale Fehlbildung |
| Anorektale Malformation ohne Fistel | Anorektale Malformation ohne Fistel |
| Analstenose | Analstenose |
| Seltene Fehlbildungen Pouch colon Rektumatresie (<1 %) / -Stenose H-Fistel-Typ Andere |
Seltene Fehlbildungen Pouch colon Rektumatresie (<1 %) / -Stenose Rekto-vaginale Fistel (<1 %) H-Fistel-Typ Andere |
Häufig kommen ARM im Rahmen des VACTERL Spektrum vor. VACTERL ist ein Akronym für Vertebrale Fehlbildung, Anorektale Malformation, Cardiale Fehlbildung, Tracheo-Esophageale Fistel, Renale Fehlbildung und Limb (Extremitäten) Fehlbildung. Werden drei oder mehr Fehlbildungen aus dem Spektrum beobachtet, wird von einer VACTERL Assoziation gesprochen. Fehlbildungen der Nieren, des Rückenmarks (Tethered cord, spinale Lipome) oder des Sakrums (sakrale Dysplasie, Hypo- oder Aplasie des Sakrums, kaudales Regressionssyndrom) haben besonderen Einfluss auf die weitere urologische Diagnostik, Therapie und Funktionalität.
Das Ziel urologischer Mitbetreuung bei ARM ist der Erhalt von Nieren- und Blasenfunktion. Neben der initialen chirurgischen Versorgung und einer strukturierten, multidisziplinären und interprofessionellen Nachsorge ist die urologische Betreuung entscheidend für eine gute Lebensqualität der Betroffenen.
Deshalb ist die Behandlung und Nachsorge dieser seltenen angeborenen Fehlbildungen eine absolute Zentrumsindikation und sollte nur von kinderchirurgischen Zentren mit entsprechenden Strukturen, Ressourcen und Expertise angeboten werden.
Die Diagnose wird nahezu immer nach der Geburt gestellt. Bei der Inspektion wird auf den Gesamtaspekt des Beckenbodens geachtet und folgende Punkte beurteilt:
Zeichen urologischer Probleme sind in erster Linie Harnwegsinfekte, Inkontinenz, Hartraktdilatation oder LUTS (=Lower Urinary Tract Symptoms) bei älteren Kindern. Aufgrund eines möglichen Einflusses der Operationen auf die Blasenentleerung, Wechselwirkungen bei Blasen- und Darmentleerungstörungen und insbesondere der häufig späten (das heißt nach dem 1. Geburtstag) Manifestation einer neurogenen Blasenentleerungsstörung ist es wesentlich, dass eine unauffällige initiale Diagnostik eine Blasenentleerungsstörung nicht dauerhaft ausschließen kann.
Eine apparative Basisdiagnostik soll die meisten Begleitfehlbildungen (VACTERL-Screening) abklären und auch den Harntrakt primär berücksichtigen:
Ergänzt wird:
ARM mit perinealer oder vestibulärer Fistel können in vielen Fällen einer geplanten Primärkorrektur und damit einem einzeitigen operativen Vorgehen zugeführt werden. Bei sicherem Ausschluss einer rektourethralen Fistel und kurzer Distanz zwischen Rektum und Perineum ist eine Primärkorrektur innerhalb von 48 Stunden möglich.
Bei allen Fällen mit komplexeren Formen und/oder reduziertem Allgemeinzustand des Kindes ist ein dreizeitiges Vorgehen mit Anlage einer Descendostomie und Sigmafistel (Zugang zum distalen Colon, für die spätere Durchführbarkeit des distalen Hochdruck-Kolostogramms), notwendig (z.B. Peña-Stoma), die Korrektur findet dann innerhalb der ersten 3-6 Lebensmonate statt, etwa 6-8 Wochen nach der Korrekturoperation kann das Stoma verschlossen werden.
Dieses richtet sich nach der Art der Fehlbildung (z.B. VUR, Hypospadie) oder der funktionellen Störung – wie in den diesbezüglichen Kapiteln beschrieben.
Entscheidend ist in diesen komplexen Fällen die Abstimmung und die enge Zusammenarbeit mit den chirurgischen Kolleg:innen im Einzelfall – dadurch können unnötige Eingriffe und viele Komplikationen verhindert werden.
Zur Beurteilung der Nierenfunktion und Harnentleerung ist die Durchführung der Harntraktsonographie und die Erhebung der Nierenparameter perioperativ und im Verlauf bis zum Schulalter, bzw. bei urologischen Begleitfehlbildungen oder Blasenentleerungsstörungen darüber hinaus erforderlich.
Hinweise auf urologische Probleme - so diese nicht primär diagnostiziert werden - sind in erster Linie Harnwegsinfekte, Harninkontinenz oder Blasenentleerungsstörungen. Diesbezüglich wird auf die Kapitel “Neurogene Blasenfunktionsstörung”, „Hydronephrose“, „Doppelnierenanlage mit assoziierten Anomalien“, sowie „Vesicoureteraler Reflux“ verwiesen.
Epididymitiden sind in dieser Patientengruppe häufiger. Das Erkennen, eine konsequente Therapie und Prävention (AB-Prophylaxe, in Einzelfällen präventive Vasektomie) können zum Fertilitätserhalt beitragen. In der Adoleszenz gilt es, die sexuelle Entwicklung interdisziplinär mit Kinderurolog:innen und Gynäkolog:innen zu evaluieren und ggf. patient:innen-adaptierte Therapiekonzepte zu erarbeiten und umzusetzen.
In diesen Guidelines werden nicht einzelne Erkrankungen besprochen, sondern der allgemeine Themenkomplex VdG/DSD, insbesondere im Hinblick auf pädiatrische Aspekte der Behandlung erörtert.
VdG/DSD ist ein Überbegriff (umbrella term) für eine Gruppe von seltenen Erkrankungen (rare diseases) bzw. Entwicklungsvarianten, die zu Abweichungen der Geschlechtsentwicklung von typisch weiblich bzw. typisch männlich führen. Ursächlich sind chromosomale, genetische, gonadale oder hormonelle Varianten (s. Chicago Consensus 2006, Abb. 1). Die Häufigkeit beträgt aus medizinischer Sicht in Summe ca. 1:2-4.000. Es gibt Unschärfen der Zuordnung, was bspw Hypospadien betrifft, da diese häufig isoliert als Fehlbildung auftreten (keine VdG/DSD), aber auch Phänotyp einer VdG/DSD sein können. Taxonomisch bei VdG/DSD miterfasst sind auch numerische Chromosomenanomalien wie Turner-Syndrom oder Klinefelter Syndrom, wo ein weitgehend unauffälliger weiblicher bzw. männlicher Phänotyp und typischerweise eine kongruente binäre Geschlechtsidentifikation vorliegt.

Abb. 6: Differences in Sex Differentiation (DSD)
Für die Geschlechtsidentität, spielen neben der Selbst- und Umgebungswahrnehmung soziale und kulturelle Einflussfaktoren eine wesentliche Rolle, sodass bei der Geschlechtszuordnung nach der Geburt und jedweder Maßnahme eine Einzelfallbetrachtung erforderlich ist. Die meisten Betroffenen in den hier relevanten Diagnosegruppen werden sich mit einem der beiden binären Geschlechter identifizieren.
Es ist wichtig, gleich nach der Geburt:
Aufgrund der Komplexität und Seltenheit soll das Kind früh einem nationalem Expertisezentrum für VdG/DSD zugewiesen werden.
So wie die Gruppe der DSD mannigfaltig ist, so ist auch das Management des Individuums vielfältig.
Aufgrund der Grunderkrankung (z.B. AGS) oder Begleiterkrankungen (z.B. Herzfehler bei 45,X/46,XY-Mosaik, Niereninsuffizienz bei Denys-Drash Syndrom) besteht bei einigen Erkrankungen früher medizinischer Therapiebedarf.
Medizinische Maßnahmen, die spezifisch das Genitale betreffen, sind vor der Einwilligungs- und Mitsprachefähigkeit des Kindes (die schon früh, mitunter vor dem Volkschulalter gegeben sein kann und laufend reevaluiert werden muss!) somit nur dann notwendig und zweifelsfrei indiziert, wenn
Therapie umfasst psychotherapeutische, medikamentöse und chirurgische Behandlung. Wait&See unter Begleitung und Hilfestellung durch psychosoziale Berater_innen mit spezieller VdG/DSD Expertise ist ein wichtiges Behandlungskonzept. Das Management basiert auf multidisziplinärer Entscheidungsfindung. Es wird ein „best practice“ Modell empfohlen:
Beratung bzw. Peer Support durch Betroffenenorganisationen soll angeboten werden.
Das Management von Menschen mit VdG / DSD muss in einem klaren, interdisziplinären und interprofessionellen Konzept und bei maximaler Wahrung der Integrität des einzelnen Kindes erfolgen. Eine Referenzierung von Empfehlungen sowie die Dokumentation jedes Falles in prospektiven Registerstudien ist eine klare Empfehlung.
Menschen mit DSD brauchen lebenslange Betreuung bzw. -angebote:
Die Transition in die Erwachsenenmedizin soll individuell je nach zugrundeliegender vorherrschender Thematik an ausgewiesene Kooperationspartner_innen aus den Fachgebieten Urologie, Gynäkologie bzw. Endokrinologie (ggf kombinierte Betreuung) erfolgen.
Die Prognose hinsichtlich Morbidität und Mortalität hängt im Wesentlichen von Begleiterkrankungen, deren Behandlung bzw. Behandlungsfolgen ab. Abgesehen von schweren, bspw mit Niereninsuffizienz oder Herzfehlern assoziierten Formen (z.B. Denys-Drash Syndrom, 45,X/46,XY, syndromale VdG/DSD), akuten Gesundheitsgefährdungen z.B. aufgrund einer Addisonkrise ( AGS) und möglichen Langzeitfolgen einer (suboptimalen) medikamentösen Behandlung (z.B. Kortisonnebenwirkungen bei AGS; unzureichende Hormonersatztherapie bei Gonadendysgenesie) sind die Aussichten gut.
Auch in Bezug auf Fertilität und Sexualität bestehen in Anbetracht der heterogenen ursächlichen Diagnosen große Unterschiede. Je nach genetischer Variante (Infertilität z.B. bei Gonadendysgenesie, Turner-/Klinefeltersyndrom, Androgenresistenz, Aromatasemangel), Vorhandensein bzw. Qualität der Gonadenanlage (ggf Entfernung wegen Tumor/Tumorrisiko erforderlich) und Unterschieden bezüglich der Harn- und Geschlechtsorgane (zum Beispiel Utriculuszysten, Veränderungen der Vagina und der inneren weiblichen Geschlechtsorgane) kann es zu Einschränkungen von Fertilität oder auch Sexualität kommen, für die mitunter eine weitere medizinische Betreuung erforderlich ist.
Kindernephrologie und Kinderurologie überschneiden sich in vielen diagnostischen und therapeutischen Fragestellungen. Angeborene Fehlbildungen der Nieren und Harnwege (CAKUT) zählen zu den häufigsten Ursachen chronischer Nierenerkrankungen (CKD) im Kindesalter. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ist essenziell, um die Nierenfunktion langfristig zu erhalten und Komplikationen zu vermeiden.
- Serum-Kreatinin / eGFR: Abschätzung mittels modifizierter Schwartz-Formel.
eGFR [ml/min u. 1.73 m2] = Größe [cm] x 0.413 / Kreatinin [mg/dl]; wichtig: Serum-Kreatinin mit enzymatischer Methode im Labor gemessen (nicht nach Jaffé)
- Cystatin C: Besonders bei verminderter Muskelmasse sinnvoll.
Filler-Formel: eGFR [ml/min u. 1.73 m2] = 91,62 x Cystatin C [mg/l]-1.123
- online: “CKiD U25 eGFR calculator”: eGFR nach Alter, Geschlecht, Serum-Kreatinin, Körpergröße und Serum-Cycstatin C für den Altersbereich von 1-25 Jahren.
- Protein-Kreatinin-Quotient: Aus Spontanharn ohne 24-h-Sammelurin. Bei Kindern > 2 Jahren < 0.2 g/g, bei reifen Neugeborenen < 1.4 g/g. Neben dem arteriellen Hypertonus der wichtigste Progressions-Faktor einer CKD.
- Blutgasanalyse & Elektrolyte: Beurteilung von pH, Na⁺, K⁺, Ca²⁺, Phosphat.
- Pseudohypoaldosteronismus: Möglich bei Säuglingen mit Harnwegsinfekten.
- CKD-Definition (nach KDIGO 2025): ab 2 Jahren: eGFR < 60 ml/min/1,73 m² > 3 Monate oder strukturelle Schäden. Wichtig: Mittlere GFR in der ersten Lebenswoche ca. 40 ml/min u. 1.73 m2, 2.-8. Woche 60 ml/min u. 1.73 m2, 2 Monate – 2 Jahre 90 ml/min u. 1.73 m2, ab 2 Jahre >100 ml/min u. 1.73 m2
Verwendung alters-, geschlechts- und größenadaptierter Referenzwerte (z. B. pedz.de). Bei Verdacht: 24-h-Blutdruckmessung. Hypertonie oft erstes Zeichen einer CKD und gleichzeitig wichtiger Progressions-Faktor der CKD. Daher frühe Blutdruck-Einstellung auf die 50. Perzentile als wesentliche Maßnahme der Nephroprotektion (ACE-Hemmer, AT-2-Antagonisten, ggf. zusätzlich SGLT2-Hemmer).
Posteriore Urethralklappe (PUK): 15–20 % entwickeln eine Niereninsuffizienz, teils bereits im Säuglingsalter. Serum-Kreatinin-Nadir 6 Wochen nach Klappen-Resektion als wichtiger Prädiktor einer CKD: Nadir-Kreatinin > 1mg/dl assoziiert mit hohem Risiko für eine ESKD (100% bis zum Alter von 8 Jahren), < 0.4 mg/dl keine ESKD bis zum Alter von 20 Jahren zu erwarten. Wichtig: Konsequente Therapie der Blasenentleerungsstörung, Vermeidung rezidivierender Harnwegsinfektionen!
Einzelniere: Risiko für Hyperfiltration, Hypertonie, Proteinurie – nephrologische Abklärung erforderlich. 1x jährlich Blutdruck- und Proteinurie-Kontrollen.
Multizystisch-dysplastische Niere (MCDK): > 60 % spontane Involution, niedriges Risiko für Komplikationen. Nephrektomie nur bei Komplikationen (z.Bsp. Raumforderung) erforderlich. Vorgehen zur Langzeitüberwachung wie bei Einzelniere.
ADPKD: Frühdiagnose bei familiärer Belastung, relevante Frühzeichen: Hypertonie, Proteinurie. Üblicherweise keine relevante Nierenfunktions-Einschränkung im Kindes- und Jugendalter.
3–4 % der Schulkinder betroffen. Diagnostik: Urinstatus, Familienanamnese, Cystatin C, Kreatinin, Sonographie. Großzügige Indikation zur genetischen Diagnostik bezüglich Kollagen-Typ-IV Erkrankungen (Alport Syndrom; COL4A3, COL4A4, COL4A5).
Häufig bei Frühgeborenen. Ursachen: Hyperkalzurie, tubuläre Azidose etc. Meist medulläre Form. Diagnostik: Sonographie, Elektrolyte, Vitamin D, Parathormon.
Prim. Priv.-Doz. Dr. Dr. Bernhard Haid
Ordensklinikum Linz GmbH, Barmherzige Schwestern
Abteilung für Kinderurologie
Seilerstätte 4
4010 Linz
OÄ Dr. Manuela Hiess
Vorsitzende des AK für Kinderurologie
der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie (ÖGU)
Ordensklinikum Linz GmbH, Barmherzige Schwestern
Abteilung für Kinderurologie
Seilerstätte 4
4010 Linz
4. Auflage, ISBN 978-3-9504811-9-8
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